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Montag, 8. November 2010

Ausflug in den "Oriente" - Teil 4: Kanutour, Rückreise nach Tena & Quito

Der dritte und letzte Tag sollte von etwas weniger Stress begleitet sein. Hierzu fiel die Wahl auf eine sechsstündige Kanutour, völlig ohne Außenborder, sondern nur mit Muskelkraft der Guides (die einem beim Zusehen schon etwas Leid taten). In zwei ausgehölten Baumstämmen ging es erneut um 9:00 Uhr los, zunächst auf dem Nebenarm des Rio Napo, später dann selbst auf dem Hauptstrom. Von einem wackeligen Unterfangen zu sprechen, ist hierbei noch positiv formuliert. Entweder sorgte der Ein- und Ausstieg für Stimmung (denn dieser gestaltete sich mit zunehmenden Insassen des Bootes immer riskanter - wer will schon freiwillig dafür verantwortlich sein, dass der Rest der Truppe plötzlich im Fluss liegt!), oder aber provozierten das teils unvorhersehbare Geschiebematerial respektive dessen Ablagerungen deutliche Schwankungen der "Nussschalen". Zumindest der erste Faktor konnte mit zunehmender Anzahl und dem Übergang zur "Routine" als Gefahrenpotential minimiert werden.


Warum man aus den Nussschalen aussteigen musste? Die Antwort liegt darin begründet, dass der erste Teil der Strecke stromaufwärts ging und somit für die zwei Guides, die die Boote entweder mit einem Paddel oder aber einem Bambusstock (ähnliche Variante wie in Venedig) antrieben, bereits anstrengend genug war. Kamen jedoch aber noch Stromschnellen hinzu, so hieß es mal wieder die Flucht auf das Land anzutreten, damit die Boote "unbeladen" durch die jeweiligen Gewässerstellen gezogen werden konnten. Ja und danach also wieder: "Embárquese, por favor!" Auf diese Art ging das mehrere Male ehe dann der Halt für das "picnic" gemacht wurde. Hierbei kam es dann zu einem von zwei Highlights des Tages: wir bekamen genial zubereiteten kalten Nudelsalat auf frisch aus dem angrenzenden Wald geschlagenen Bananenblättern serviert - nahezu so, wie man es sich in einem 1-Sterne-Restaurant oder aber der edel Sushibar von Steffen Henssler in Hamburg vorstellt (zugegeben, die Kochqualitäten mögen dort höher sein, aber für eine Improvisation im Regenwald...was darf man mehr erwarten?!). Und natürlich sollten auch hier die drei Gänge insgesamt nich fehlen.


Nach dieser Stärkung ging es dann flussabwärts (!) zu einem nahegelegenen Dorf, das für sein Ton- und Schnitzhandwerk bekannt ist. Im Anschluss an diese Demonstrationen ging es auf dem Wasserweg weiter zu dem zweiten Highlight: in einem Seitenarm bekamen wir die Chance uns von den Temperaturen, der Sonne über bis dahin fünf Stunden und der Luftfeuchtigkeit zu erholen - soll heißen, es durfte gebadet werden. Hey, das, was man normalerweise nur aus Filmen kennt, bei denen im Regenwald in stillen Flussarmen geschwommen wird, wurde nun auch uns zu Teil. Ich kann für mich festhalten, dass es eine tolle und vorerst auch einzigartige Erfahrung ist (so schnell werde ich dazu denke ich nicht mehr kommen), wenn man auf dem Rücken mit der Strömung treibt und über sich teilweise hervorragende Bäume und Lianen hat, das Ganze durch die Atmosphäre veredelt, dass man sich gerade in einem Regenwald befindet - großartig!
Na ja, nachdem auch dieser Spaß ein Ende gefunden hatte, ging es zunächst zurück zur Lodge, unmittelbar dann wieder zurück nach Tena um dort einen spaßigen Abend zu verbringen ehe es am nächsten Tag per Bus wieder nach Quito respektive Cumbayá ging.
Trotz dem kurzfristigen Aufbruch zu diesem Ausflug (direkt am zweiten Tag nach meiner Ankunft in Ecuador schon wieder loszufahren), bin ich froh und glücklich, mich für diese Möglichkeit entschieden zu haben.
Einen Großteil für diesen Spaß mitverantwortlich sind die anderen Praktikantinnen Aylin, Elisa, Nadine und Nikka, ohne die die Zeit sicherlich nur halb so lustig geworden wäre (an dieser Stelle: muchas gracias!).


Samstag, 6. November 2010

Ausflug in den "Oriente" - Teil 3: Zoo, Primärregenwald, Gummireifen, Schamane

Der zweite Tag am Rio Napo: Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es um 9:00 Uhr zur nahegelegenen Tierauffangstation "amaZOOnico". Der Weg dorthin führte direkt von der Lodge durch einen Teil des Regenwaldes. Dort angekommen, konnten einige Tierarten des Areals betrachtet werden, die entweder aus Privathaushalten stammen (als "Haustier" und dort misshandelt bzw. aggressiv wurden), oder aber gefunden und abgegeben wurden. Dazu zählen u.a. Wasserschweine, Boa Constrictor, Kaimane, Tukane und viele mehr. Der allerdings noch immer leicht anhaltende Regen trügte den Spaß durch die Anlage zu laufen. Wobei gleichwohl zu bezweifeln ist, ob zenitaler Sonnenschein zur späteren Stunde vorzuziehen gewesen wäre.
Nach der Rückkehr zur Lodge und dem erneut beeindruckenden Mittagessen ging es weiter zu einer vierstündigen Tour, zunächst durch den Sekundärregenwald, später dann durch den "Urwald", den Primärregenwald. Stets von einem indigenen Guide angeführt und über diverse Gegenstände und Besonderheiten am Ort hingewiesen (z.B. über die Drachenblutpalme, dessen Rinde ein Extrakt zur Hautpflege und Insektenstichbehandlung beinhaltet), versuchte ich (zusammen mit den anderen Tourteilnehmern) ihm zu folgen - ein schwieriges Unterfangen, wenn man versucht dem Tempo und unwegsamen Wegen zu folgen. Na ja, von Wegen oder Pfaden zu sprechen, ist genau genommen übertrieben. Teilweise wurden einfach mit der Machete Laufmöglichkeiten geschlagen. Der "Hinweg" zum bis dort noch unbekannten Ziel war stets von einem steilen Anstieg begleitet, teilweise musste wirklich "gekraxelt" werden, um den nächsten Pfad zu erreichen. Nichtsdestotrotz war es spannend, stets neue Tiere und Pflanzen zu sehen und am Ende mit einem Ausblick über den Rio Napo sowie einen Teil des Regenwaldes belohnt zu werden.


Na einer längeren Verweilzeit am Plateau folgte, wie nach jedem Aufstieg der Abstieg. Dieser gestaltete sich schwieriger, als erwartet, weil man durch das stets niederfallende Laub der Bäume den "eigentlichen" Pfad, falls es einen gab, nicht wirklich sehen konnte. Zudem erschwerten kleine Rinnsale und rutschige Felsen das sichere Fortkommen. Obwohl sich niemand wirklich der Anziehungskraft ergeben musste, führten die widrigen Gegebenheiten oft zu ungewollten akrobatischen Einlagen.
Nach der Rückkehr und Ankunft an der Lodge fehlte für einen schönen Ausklang des Tages (denn die Dämmerung setzt dort bereits um 18 Uhr ein) eine Fahrt mit Gummireifen über den Fluss. Obwohl dieses Vorhaben nicht wirklich geplant war und sich die Leute vor Ort nicht darauf einstellen konnten, kamen sie sofort unserem Wunsch nach und organisierten über das Walky-Talky die benötigten Firstclass-Einzelboote. Nur wenige Minuten später legte dann das Motorboot am Felsplateau (einen Steg gab es nicht) an und nahm uns mit Stromaufwärts zu einer geeigneten Stelle des Ausstiegs. Die unterwegs durchfahrenen Stromschnellen ließen die Hoffnung auf eine Menge Spaß steigen. Auch wenn die letztendliche Durchfahrt eher eine gemütliche Chill-Out-Atmosphäre auf dem Fluss hatte, war es ein großer Spaß. So konnte, mittlerweile etwas erschöpft, das Abendessen kommen, ehe dann im Anschluss daran der Abend eine ungeahnte Wende nahm.
Das Vorhaben für die weitere Abendgestaltung umfasste neben einem na ja mehr oder weniger kühlem Bier lediglich die Vorführung eines Schamanen. Na ja, dabei blieb es dann nicht ganz: nachdem ich noch mal kurz in die Hütte gegangen war, um meinen Kameraakku zu wechseln, wurde ich darin von einem umherfliegenden Murciélago (Fledermaus) überrascht. Die zum Rat und Tat herbeigeholten Indigenen öffneten sofort alle "Fenster" sowie die Tür und verhalfen mit einem Besen der Fledermaus aus dem Haus - soweit könnte man denken "na prima, ist doch alles gut gelaufen", doch nutzte diese Chance gleichwohl auch eine Tarantel, um es sich auch noch bei uns in der Hütte gequem zu machen. Nach längerer Beobachtung und Beratschlagung ergriff eine Mitreisende die Initiative und nebelte mit einem Insektengift die Spinne ein, so dass auch diese wieder den Weg nach draußen fand. Diese zwei Aktionen hatten jedoch zur Folge, dass der bereits angekommende Schamane auf seine Vorführung ungeduldig wartete (und sich mehr oder weniger über das Verhalten von Touristen über kleine Insekten lustig machte) und zum anderen, dass mein Bett ebenfalls mit dem Insektengift namens "Dragon" überzogen war. Na ja, nach der letztendlichen Zeremonie, war schnell der Weg ins Bett gesucht!

Ausflug in den "Oriente" - Teil 2: Ankunft in Runa Wasi

Sonntag Morgen 8:00 Uhr - was? Eigentlich unvorstellbar! Wozu ist man Student. Nicht, wenn man weiß, dass es in den Regenwald geht. Also (nahezu) topmotiviert aufgestanden, den Rucksack auf dem Rücken gesattelt und los ging es zu dem Abfahrtspunkt Richtung Runa Wasi - der zum Glück nur 30 Meter neben dem Hostel lag. Da stand auch schon das Taxi - na ja, so mehr oder weniger - ein 2-Kabiner Pick-Up. Nachdem das Gepäck auf der Ladefläche verstaut wurde und die ersten drei Leute (eine weitere Reisende kam noch dazu) in der hinteren Reihe ihre Plätze eingenommen hatten, stand fest, dass die restlichen Leute ebenfalls ihren Platz auf der Laderampe suchen mussten.
Diese Chance ließ ich mir nicht zwei mal anbieten. Wann sollte man dazu noch mal kommen - in Deutschland unvorstellbar, in Ecuador...normal!
An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Wer kennt die Rundmails mit skurrilen Fotos nicht, bei denen man unmittelbar an eine Photoshop-Collage denkt. Beispiel: ein Kleinst-Bulli mit unglaublich vielen Menschen auf der Ladefläche. Ich kann euch sagen, dabei handelt es sich nicht um ein Photoshop-Produkt, sondern um die Realität! Hier der Beweis (wenn auch etwas unscharf, während der Busfahrt eben):


So, dass nur nebenbei =) Stehengeblieben bei der Abfahrt: mit dem denkbar vollbeladenen Pick-Up ging es für 50 Minuten immer mehr Richtung Regenwald. Dabei stets über mehr oder weniger asphaltierte Straßen, Schotterpisten und weniger seriös als sicher wirkende Brücken. Dennoch stand der Spaß stets dabei im Vordergrund, gerade bei einer immer dichter werdenen Bewaldung und einer Strecke, die nahezu nach jeder Kurve ein neues Highlight bietet. Wie gesagt, nach rund 50 Minuten war die Fahrt vorbei - Resümee: die Leute im Auto waren ziemlich entspannt, die Leute hinten auf der Ladefläche waren noch etwas (positiv) mitgenommen, angeheitert von dem Wahnsinn (zumindest aus deutscher Sicht), der sich gerade vollzog.
Nach dem Abladen ging es gleich weiter mittels zwei motorisierten Booten über den Rio Napo zu der Lodge, die für die nächsten zwei Nächte und drei Tage unsere Unterkunft sein sollte. Allein die Fahrt über den Fluss beeindruckte mich, gerade wenn man als Landei aufgewachsen ist, ansonsten in der "lebenswertesten Stadt" sein Unheil treibt und plötzlich im Urwald angekommen ist.
Nach einer guten halbe Stunde Fahrt sah ich dann zum ersten Mal die Lodge. Leider war man auf uns vor Ort nicht eingestellt und so ging es zunächst darum, zwei Zimmer / Cabañas für die nächsten Tage zu organisieren. Zum Glück, sollte das kein Problem darstellen und so konnte wir schnell unsere Rucksäcke und übriges Gepäck verstauen. zu diesem Zeitpunkt dringend erforderlich - eine Erfrischung. Die Außentemperaturen von etwa 25°, dazu eine schir unerträgliche Sonne in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit ließ das Bedürfnis nach Schatten, Getränken und Ruhepausen ständig anwachsen. Zum Glück gab es neben den Esstischen auch Hängematten und -sessel in dem Hauptgebäude, sodass diese schnell von uns belagert werden konnten.
Nun zum eigentlichen Problem: wie bereits erwähnt, waren die Indigenen des Quichua-Stammes nicht wirklich auf uns vorbereitet. Eine Absprache mit der Tourorganisation und der Lodge fand, wie sich herausstellen sollte, nicht statt. Demzufolge mussten wir den Einheimischen verdeutlichen, dass wir bereits das Geld für die 3-tägige Tour bezahlt hatten und nicht noch mal vor Ort für alle Leistungen zur Kasse gebeten werden wollten. Nach langem hin und her, verschiedenen Anrufen (per Walky Talky), sollte dann auch das geklärt sein, so dass wir mit bisweilen knurrenden Magen auf das Essen warteten. An dieser Stelle mag man sich fragen, was man im Regenwald so serviert bekommt - so ging es auch mir. Das Resultat erschaunte jedoch alle: Vorspeise: Kartoffelsuppe (obligatorisch für Ecuador), Hauptgang: Spaghetti Bolognese, Nachspeise: Fruchkompott. Was kann man sich noch mehr wünschen? Auch alle zukünftigen Mahlzeiten (egal ob morgens, mittags oder abends) sollten jeweils drei Gänge umfassen.
Na ja, nach einer Tour zu einem indigen Dorf und der Besichtigung, wie die üblichen Speisen und Getränke hergestellt werden, war die Sehnsucht groß, die erste Nacht im Regenald zu verbringen. Allerdings sollte die Nacht von Dauerregen und Gewitter begleitet werden - eine erstaunliche Erfahrung, wenn man Wetterleuchten im Regenwald miterlebt und den Regen auf die mit Palmenblättern belegten Hütten prasseln hört.

Freitag, 5. November 2010

Ausflug in den "Oriente" - Teil 1: Anreise nach Tena

Gerade einmal zwei Tage nach meiner Ankunft ging es zusammen mit den vier Praktikantinnen über ein verlängertes Wochenende in den "Oriente". Denn wie auch in Deutschland wird in Ecuador der Beginn des Novembers durch gleich zwei Feiertage eingeleutet. Wird am 2. November der Totentag (Allerseelen) zelebriert, folgt einen Tag später der Unabhängigkeitsfeiertag von Cuenca (gesetzlicher Feiertag neben dem von Quito und Guayaquil). Einen Blick auf den Kalender lässt nun den Einwand aufkommen "Ja, aber der Montag war doch gar kein Feiertag, warum also ein langes Wochenende?" - dem kann ich soweit nur zustimmen, allerdings wurde uns Praktikanten der Montag als Freizeit zur Verfügung gestellt. So standen also nahezu fünf Tage frei zur Verfügung - frei, um wie schon gesagt, den "Oriente" zu bereisen. Als "Oriente" wird schlicht der ecuadorianische Teil des Amazonasdschungels beschrieben. Na ja, schlicht ist zugegeben an dieser Stelle etwas untertrieben, denn nicht zuletzt besitzt Ecuador, demnach auch und im besonderen Umfang der Dschungel, eine hohe Biodiversität. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind dort zu bestaunen, die man sonst vielleicht nur aus dem Zoo und dem Fernsehen kennt.
Nachdem das Programm wie auch die Unterkunft bereits im Voraus gebucht war, ging es gleich am Samstag unmittelbar nach dem Ende des Unterrichts zur Busstation von Cumbayá. Erstes Ziel der Reise sollte Tena, die Provinzhauptstadt von Napo (mit dem gleichnamige Fluss) sein. Im bequemen Reisebus eingestiegen und glücklicherweise mit Sitzplätzen verwöhnt, ging die vierstündige Fahrt los. Neben den insgesamt knapp 180 Kilometern Strecke, die zurückgelegt wurden, war der Höhenunterschied der Fahrt groß. Gestartet  wurde auf rund 2000 Metern über NN, als es dann Richtung Anden und dem Vulkan Antisana auf rund 4000 Meter anstieg um letztendlich in Tena auf ca. 600 Metern anzukommen. Aber schon die Fahrt war beeindruckend. Neben dem rasanten Tempo, dass der Busfahrer an den Tag legte (als würde morgen die Welt untergehen) und die doch oftmals steilen tiefen Abhänge nebst den Straßen wurde man nichtsdestoweniger von der wundervollen Landschaft entschädigt. Seien es fernab gelegene Dörfer, Wasserfälle inmitten der Gebirgszüge, Sehenswürdigkeiten wie die Thermen in Papallacta oder aber Alpakas am Straßenrand - all das entschädigte für das lange Sitzen bis zum Zwischenstop in Tena. Am Zielbahnhof ausgestiegen, wurde man nicht nur gleich als "Touri" erkannt, sondern zudem von einem freundlichen Guide des Tourveranstalters abgeholt.


Nach einer kurzen Erholung im Hostel und einer anschließenden Erkundung der Stadt Tena (bei zwei bis drei ecuadorianischen "Pilsener" - dem Standardbier [lässt sich sehr gut trinken]), folgte die vorerst letzte Nacht in Zivilisation und stets in der Hoffnung, dass man bei der Schwüle nicht nur vor Mosquito- und anderen Insektenstichen verschont bleibt, sondern gleichwohl auch ein Auge zubekommt.

Samstag, 30. Oktober 2010

Ausflug in den "Oriente"

In den nächsten vier Tagen werde ich keine neuen News posten können. Der Grund ist eine mehrtägige Tour zusammen mit den anderen Praktikantinnen in den "Oriente", also in den Dschungel. Danach wird jedoch ausführlich berichtet, was ich erlebt habe :-)

Freitag, 29. Oktober 2010

Ein Tag um die halbe Welt - die Anreise

Es ist vollbracht! Nachdem ich wie schon erwähnt gute 24h von Haustür bis zur Haustür unterwegs war, werde ich jetzt mal mit einigen Kuriositäten den Tag beschreiben:
Gut am Düsseldorfer Flughafen angekommen ging es nach der Gepäckaufgabe und der Verabschiedung meiner Familie :-( durch die Sicherheitskontrolle Richtung Gate um meinen ersten Trip nach Madrid in den Angriff zu nehmen. Bis dahin verlief wirklich alles, wie erwünscht. So war auch mein Sitzplatz reserviert und ich konnte mich nebst schir unendlich vielen Business-Leuten in die Warteschlange einreihen. Zur Begrüßung des Piloten folgte unmittelbar der Hinweis, dass der Flug voraussichtlich 45 Minuten länger als geplant dauern würde, da in Frankreich erneut ein Fluglotsenstreik die Nutzung des Luftraums verbieten würde. So ging es dann um 7:05 zunächst also Richtung Alpen um dann irgendwann in Madrid um 10:15 zu landen.
Na ja, dort angekommen, nahm das größte Chaos des gesamten Tages so richtig Pfad auf. Zunächst versuchte ich mich in der Gepäckabfertigungshalle an den Monitoren zu orientieren, zu welchen Terminal ich den nun hin müsste. Leider war mein Flug Richtung Quito hierauf gar nicht berücksichtigt, so dass der erste Adrenalinstoß schon seinen Einsatz fand. Zum Glück hatte ich die Quittung der Flugbuchung zur Hand, auf der mit Terminal "S" ein Richtungsweiser gefunden war. Das aber auch nur auf dem ersten Blick. Einen so großen Flughafen wie jenen in Madrid habe ich selten gesehen, nicht was die Abfertigungszahlen angeht, sondern einfach dieser zerklüftete Aufbau der Gebäude. So erfuhr ich, dass man zum Terminal S nur mit dem Bus kommen würde, der vor dem Fluhafeneingang warten würde. Also zügig dorthin begeben, fand ich einen entsprechenden Bus und der lieferte mich (und viele andere) dann über die Autobahn zum Terminal S. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Zwar war dieses das richtige Gebäude, allerdings stellten die Menschenmassen, die man dort vorfand, eine für das Flughafenpersonal kaum zu lösende Aufgabe dar. Jetzt kommt eine kleine Rechnung: mein Flug sollte laut Plan um 12:20 Richtung Quito starten, Boarding war demzufolge für 11:40 angesetzt. Um 11:15 stand ich in der schir endlosen Warteschlange zum Check-In. Hier musste ich der Dame am Schalter versuchen klar zu machen, dass mein Koffer aus Düsseldorf noch irgendwo auf dem Gelände des Flughafens herumschwirrt. Hierzu sollte eigentlich ein Barcode von der Lufthansa eingescannt werden, was sie aber herzlich wenig interessierte. Einerseits war ich froh, dass das alles so problemlos seinen Lauf nahm (viele andere Fluggäste mussten dort ihr Gepäck noch mal auf Grund von Übergewicht umpacken, was mir so erspart blieb), andererseits verunsicherte mich das fehlende Interesse der Dame am Schalter hinsichtlich meines Koffers doch etwas. Na ja, also ging es dann um 11:30 zu den Sicherheitskontrollen, wo erneut eine große Menschenmasse auf ihren partiellen Kleiderstripteas und Gepäckscan wartete. Nachdem ich dann endlich dran war und nicht nur mich völlig spiegeln ließ, sondern auch meine Notebooktasche nahezu gänzlich zerlegen durfte, war ich dann um 11:52 aus der Kontrolle raus. Nur wo sollte sich jetzt der Terminal S befinden bzw. das Gate S43. Hierzu stand zu meinem Glück in meiner Nähe eine deutsche Dame, die scheinbar öfters bereits in Ecuador war. Ebendiese teilte mir mit, dass das gesuchte Terminal nur per Zug (!) zu erreichen sei - hierfür müsste ich mich in das Kellergeschoss begeben. Also nichts wie dorthin und dort stand auch tatsächlich ein Zug. Allerdings darüber an der Tür ein Hinweis, dass der Weg zum Terminal S 18 Minuten dauern würde. Kleine Rechnung: 11:55 am Zug + 18 Minuten = 12:13 am Boarding Schalter - eher bedingt optimal. Nach der Zugfahrt von etwa sieben Minuten machte ich mich also auf jeder Rolltreppe als Sprinter unbeliebt um die Chance, das Flugzeug nur noch von Außen betrachten zu dürfen, gänzlich zu minimieren. Na ja, nachdem es dann auch noch durch eine Passkontrolle und über etliche Flure ging befand ich mich dann nahezu am Ziel - dem Gate S43. Dort angekommen wartete, na was schon? - wieder einmal eine Menschenmasse auf ihren Zutritt zum Flugzeug. Auch das sollte nach langwieriger Warterei geschafft sein und so begaben sich mit mir geschätzte 240 Leute zum Flugzeug - welchen natürlich zum erleichterten Eintritt nur eine Zugangstür geöffnet hatte. Mein Platz sollte sich am Gang gefinden und so suchte ich nicht nur meinen Platz (der neben einem Hammerwerfer sein sollte, wo Sich-Daneben-Quetschen noch positiv formuliert wäre), sondern auch eine freie Stelle für meinen Rucksack. Diese Suche habe ich dann der doch überraschend freundlichen Stewardess überlassen (wie auf dem Foto zu sehen). Als auch das dann erledigt war, machte sich die Maschine mit einer 3/4 Stunde Verspätung (keine Starterlaubnis erhalten) auf den Weg Richtung Lateinamerika. Neben insgesamt drei Mahlzeiten, einem schir unendlichen Repertoire an Getränken gab es aber auch negative Aspekte bei dem A340-300 von Iberia. So waren die Sitze nicht nur von der Form und Breite eine Zumutung, sondern auch hinsichtlich der Sitzabstände eine Katastrophe - kurze Verdeutlichung: die Beine passten nur hinter den Vordersitz, wenn man komplett mit dem Rücken an der Lehne auch angelehnt war, eine Chillhaltung war also zumindest für die Zeit ausgeschlossen, in der man die Füße nicht in den Gang strecken durfte, weil sonst die Saftschupsen darüber geflogen wären. Demzufolge waren Spaziergänge durch das Flugzeug häufig. Als es dann nur noch wenige Kilometer Richtung Aeropuerto Internacional Mariscal Sucre waren und man schon aus dem Fenster Quito von Oben betrachten konnte, sorgte der Freestyle-Landeanflug des Piloten (oder war es doch "nur" der Co-Pilot) für Stimmung im Flugzeug. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass der Flughafen mitten in der Stadt liegt. So sorgte die plötzliche Schubwegnahme für ein künstlich erzeugtes Luftloch dem unmittelbar Bauchkribbeln und Kreischansätze der Passagiere folgten, ehe der Pilot dann wieder durch erneuten Schub die Fehlkalkulation bis zur Landebahn versuchte zu korrigieren. Meine Hoffnung war bei dem Landeanflug, dass irgendwann mal ein Flughafen auftaucht und man nicht doch einen der vielen Sportplätze für eine fehlgeschlagene Landung missbraucht. Dem war dann zum Glück auch so und so stand nur noch die Befürchtung aus, dass auch mein Koffer seinen Weg finden würde. Auch das sollte sich letztendlich nicht als Problem rausstellen. Allerdings die Pass- / Visumkontrolle, bei der der Soldat am Schalter etwas angesäuert meinen Visumeintrag im Reisepass begutachtete. Der Grund hierfür war, dass sich die Botschaft in Berlin im Vorfeld bei dem Eintrag vertan hatte und die Genehmigungsdauer von fünf Monaten per TipEx auf sechs Monate korrigierte. Das wollte er mir nicht so recht glauben und unterstellte mir, dass ich das absichtlich verändert hätte. Na ja, nach Rücksprache mit der Botschaft sollte auch das geklappt haben und so strahlte mich schon auf dem dahinter vorbeiführenden Gepäckband mein Koffer erwartungsvoll an - jetzt konnte nichts mehr schief gehen - 5 Monate Ecuador konnten kommen!
Per Taxi ging es dann vom Flughafen zur Schule im Cumbayá. Erst dann wurde mir bewusst, dass die Angaben aus dem Reiseführer doch nicht ganz falsch waren. Die Emissionen sind enorm - da fragt man sich, wofür man in Deutschland die EU5 oder gar EU6-Norm einführt, wenn doch hier alles rausgeblasen wird - ohne Rücksicht auf Verluste. Dieses gilt auch für den Verkehr. Regeln scheint es für den nicht zu geben. Jeder fährt da wo Platz ist oder auch nicht, notfalls hilft die Hupe oder aber wenn es doch mal zu eng werden sollte eine Vollbremsung. Alles halb so schlimm, wenn ich doch auf der Rückbank einen Anschnallgurt vorgefunden hätte - schön wär's gewesen ;-) Na ja, aber der Taxifahrer war trotz anfänglichem Stimmungseinbruch nach Preisverhandlung irgendwann ein freundlicher und lustiger Gesprächspartner geworden - auch wenn er anfangs nicht wusste, wo überhaupt die Straße ist, wo ich denn hinwollte. Angekommen am Ziel stand ich dann um 18:20 vor der Tür, dort auch was länger, weil mich bei den vielen Klingeln niemand gehört hatte und ich die eigentliche Klingel der Schule übersehen hatte. Nach etwa zehn Minuten wurde aber auch ich erhört und so konnte ich endlich in die Schule und mein darüber liegendes Zimmer erkunden. Die anderen Praktikantinnen (allesamt ebenfalls aus Deutschland) sind auf jeden Fall eine große Hilfe, darüber hinaus sehr freundlich und so steht für das kommende Wocheende eine gemeinsame viertägige Exkursion in den Dschungel an - alles weitere hierzu folgt dann in der nächste Woche!
Einen kleinen Ausblick von der Dachterasse wie auch den Blick aus meinem Zimmer findet ihr in der Galerie.

Angekommen

Nach doch nun fast 24h von Haustür zur Haustür bin ich in Ecuador angekommen - soweit alles top. Weitere News folgen morgen, erst einmal steht Schlaf nachholen auf dem Programm.