Navigation

Donnerstag, 25. November 2010

Ausflug nach Baños: unverhoffte Feierei

Natürlich war auch das vergangene Wochenende nicht von Langeweile begleitet. Direkt nach dem Unterrichtsende am Samstag morgen ging es zunächst mit dem Taxi zur Busstation im südlichen Quito. Hierzu hieß es, um Kosten für die ~45 minütige Fahrt zu sparen, alle fünf (+ Taxifahrer) in ein Auto (Golfgröße). Bereits die Anfahrt zur Busstation wurde mit immer höherer Lage schnell zu einer nassen Angelegenheit. Der Niederschlag war derartig groß, dass die Straßen von Quito nicht mehr zu sehen waren, sondern einzig eine riesige Wasserfläche. Na ja, nach der Ankunft am Bahnhof ging es von dort auch schnell weiter mit dem Bus nach Baños. Die knapp 3 1/2 stündige Fahrt dorthin wurde mal wieder von einer traumhaften Naturlandschaft entlang der Panamérica (Sur) untermalt und einem kleinen Naturschauspiel. Unmittelbar nach Verlassen des Busbahnhofs waren die Straßen auf Grund des Sturzregens noch immer derartig überflutet, dass PKW teilweise mit dem Kühlergrill im Wasser waren und einzig der Bus sich eine Bahn durch die Straßen bahnen konnte (das verdrängte Wasser unserer Fahrspur wurde so weit verdrängt, dass die Autos auf der Gegenspur die Fenster schließen mussten, damit ihr Innenraum nicht einem Privatschwimmbad ähnelt. Hinzu kam jetzt noch, dass die Straßen plötzlich auch noch weiß waren, nicht von Schnee, aber von Hagel. Die Fahrt zog sich etwas, doch ein Gespräch mit einem Einheimischen zum Ende hin sorgte nicht nur für umfangreiche sprachpraktische Übung, sondern zudem auch für nützliche Informationen (wann besteigt man am Besten die umliegenden Vulkane, ist das Bungee Jumping für 15 USD wirklich sicher oder wo geht man gut Essen in Baños). Nach der Ankunft um ca. 17 Uhr am Busbahnhof am Zielort ging es unmittelbar zum Hostel; als erstes sollten die Rucksäcke im Zimmer verstaut werden, um anschließend die Stadt in aller Ruhe erkunden zu können. Gesagt getan: also ging es zunächst zu einem nahegelegenen Wasserfall (Caballera de la Virgen). Dessen Anblick beeindruckte mich schon gänzlich. Aus einer Höhe von etwa 40 Metern ergibt sich das Wasser stufenweise der Anziehungskraft. Das Besondere: man kan sich direkt an den Wasserfall heranstellen. Von einem kleinen Podest kann man dann einen herrlichen Blick über die kleinen Touristenort, inmitten eines Talkessels, erhalten.


Nebst verschiedensten kleinen Ständen mit Souvenieren und Schmuck (da werden die männlichen Geduldsnerven schon gerne mal etwas mehr beansprucht, insbesondere bei der Fülle an Ständen und vier Frauen) waren auch die Zuckerrohrverkäufer ganz vorne mit dabei. Nach der weiteren Erkundung der Stadt und den verschiedensten Highlights (Hotel-Restaurant Düsseldorf, "Cuy" (gegrilltes Meerschweinchen) etc.), knurrte so langsam bei allen der Magen - also wurden schnell die Vorlieben und die Angebote investigiert - ehe dann die Wahl auf das Restaurant "Mama Inés" fiel, wo jeder von uns etwas nach seinem Geschmack fand (bei mir war's Pizza). Nach einem leckeren Essen, ging es gestärkt gleich weiter zu einem sehr sterril wirkenden "Restaurant" (na ja, weiß gefliester Essraum mit Neonbeleuchtung trifft es da eher). Keine Angst, der Hunger war bereits gestillt, aber nicht der Durst! So waren schnell fünf preiswerte "Cuba Libre" bestellt und ebenso zügig vernichtet. Da es zu dem Zeitpunkt erst 19h war, musste ein Masterplan überlegt werden, wie man den weiteren Abend gestalten könnte. In einer Seitenstraße fanden wir dann eine "Kneipe", dessen erster und zweiter Stock jeweils mit einem großzügigen Balkon unser Interesse weckte. Schnell den Eingang fokussiert, ging es gleich die Treppen aufwärts, da das Erdgeschoss und die erste Etage nur Klassiker zum Besten gab wie Queen, Bon Jovi etc. Oben angekommen wurde man gleich mit Pitbull empfangen, ehe dann weitere moderne, wenn für uns auch unbekannte weil einheimische Musik folgte. Nach einer leckeren Runde Pilsener und diversen lustig zu beobachtenden Vorfällen (Salsa tanzen ja oder nein; die Tochter bringt ihre Eltern mit zum Feiern (ich sag euch, die haben sie extrem amüsiert ;-) ); 10.000 V-Man, aber im Kopf brennt die Birne nicht) ging es bald auch schon wieder raus. Da es allerdings noch immer früh des Abends war, wurde erneut die weitere Abendgestaltung besprochen - eine neue Location musste gefunden werden. Die Wahl fiel auf die "Lounge Bar", nachdem die Türsteher uns zu einem Besuch aufforderten. Die zum Zeitpunkt noch laufende Happy-Hour weckte unser Interesse überdies. Mit dem Betreten der Kneipe sollte der Abend eine unverhoffte Wende nehmen. Wir fünf waren die einzigen Besucher der Bar! Dennoch waren wir motiviert, zumindest 1-2 Runden der Happy-Hour mitzunehmen. Die dem europäischen / deutschen Musikgeschmack angepasste Songaufwahl des DJs (nicht nur ein Genre (wobei R&B dominierte) wurde aufgelegt) sollte unser alleiniges Aushaltevermögen vor Ort weiter stärken. Eine Kuriosität gilt es insbesondere hervorzuheben: das Männerklo war direkt an die Tanzfläche integriert. Der winzige Platz zur "Erleichterung" war einzig durch eine Pendeltür und zwei Holzbretter an der Seite "abgetrennt". Bei einer Körpergröße, die jedoch nicht der eines Ecuadorianers entspricht, konnte man während des Besuchs bequem über die Tür auf die Tanzfläche gucken und beobachten, wie die Leute etwa 30 cm hinter einem abgehen. Ach ja, um auf das vermeintliche Klo zu kommen, musste man die Pendeltüren nach außen öffnen, um sich dann irgendwie zwischen Tür und Klo zu quetschen. Als dann nach einer halben Stunde und den zwei Cocktail-Runden der Gratis-Shot "Bob Marley" auf sich wartete, sollte die Verweilzeit und Feierlaune deutlich steigen.


Mit zunehmender Besucherzahl und flüssiger Unterstützung wurde die Feierei immer besser. Gerade den Einheimischen konnte so gezeigt werden, dass die Deutschen nicht nur trinken, sondern auch feiern können. Insbesondere den DJ und die Barkeeper konnten wir überzeugen und so war schnell ein gemiensamer Nenner zwischen den Ecuadorianer und uns gefunden. Nicht nur das jegliche Musikwünsche unmittelbar umgesetzt wurden, auch die eh schon günstige Preislage der Getränke wurde so noch einmal optimiert ;-) Na ja, ohne weiter in die Details zu gehen, kann man sagen, dass es ein völlig ungeplanter, aber extrem lustiger Abend war. Zudem bekam man einmal mehr die Chance, Kontakt zu Ecuadorianern aufzunehmen und seine Spanischkenntnisse auf die Probe zu stellen. Gegen halb 2 war dann auch das Ende in der Bar gefunden und so ging es auf den Heimweg zum Hostel, der sich nicht minder lustig gestalten sollte. Die noch immer nicht vertraute Stadt sorgte insbesondere in der Nacht und zudem durch die mittlerweile beeinträchtigte Orientierungsfähigkeiten für einen kleinen ungewollten Umweg zur Unterkunft ;-) Der Spaziergang führte allerdings an zahlreichen interessanten Orten vorbei, die immer wieder unsere Neugier wecken sollten (die kleine "Eastside-Gallery" und die "area infantil" sind nur eine Auswahl dessen). Irgendwann zu späterer Zeit war dann auch der Weg in das Hostel gefunden und so hieß es nach kleineren Zwischenfällen erst einmal "Licht aus - schlafen gehen!"
Am nächsten Morgen wurde aus dem einst geplanten frühen aufstehen nachvollziehbarer Weise wenig und so war es dringend notwendig, dass dringend notwendige Katerfrühstück zu sich zu nehmen. Währendessen wurden die Erlebnisse des gestrigen Abends rekonstruiert und diskutiert und sorgten immer wieder für herrliche Lacher. Nach der Stärkung ging es gleich wieder los um die bereits im Vorfeld geplante Wasserfalltour in die Tat umzusetzen. Wenige Minuten später stand auch mal wieder ein Pick-Up vor der Tür und so gab es mal wieder die Möglichkeit auf der Ladefläche bei bestem Wetter die vierstündige Tour zu den verschiedenen Orten zu genießen. Die besichtigten Wasserfälle sorgten bei uns Allen für große Gesichter und so waren wir umso mehr von der Idee angetan, an dem zweiten Ort mit einer Seilbahn direkt über den Wasserfall entlangzufahren (das ganze über eine etwa 50 Meter tiefe Schlucht). Na ja und nach dem Besuch der bekanntesten Kaskade, dem Pailon del Diablo, ging es auch bald schon wieder zurück zum Hostel und von dort aus nach einer kurzen Stärkung weiter zum Busbahnhof, um den Weg zurück nach Quito respektive Cumbayá in den Angriff zu nehmen.


Freitag, 19. November 2010

Ausflug nach Mindo

Die kleine Stadt Mindo, etwa 2 1/2 Stunden nordwestlich von der Hauptstadt Quito gelegen, war unser Reiseziel für den Tagesausflug am vergangenen Sonntag. Der Grund für diese Wahl ist relativ einfach: trotz der Überschaubarkeit des Ortes, bietet die Region nicht nur verschiedenste Schmetterling- und Kolibriarten, sondern zudem einen riesigen "Abenteuerspielplatz" für Jedermann inmitten des Nebelwaldes!
Nach dem frühen Start am Morgen ging es zunächst über Quito mit dem Bus nach Mindo. Nach einer kurzen Orientierung vor Ort, bot sich uns ein freundlicher Herr (der lediglich die ganze Zeit auf vermeidlich naive Touristen wartet) an, uns den Chauffeur zu machen. Also ging es nichts wie los in einem uralten Chevy-Pick-Up (und das war auch gut so) zur ersten Station. Der Weg dorthin, eine Schotterpiste mit Schlaglöchern so groß wie Familienpizzen, hätte vermutlich jeden modernen "Geländewagen", oder neudeutsch auch SUV genannt, an seine gering bemessenen Grenzen gebracht, dem Chevy waren diese "Unebenheiten" trotz Überladung egal. Zu den Schlaglöchern kam dann noch hinzu, dass der Weg nahezu gänzlich aus Matsch bestand (wie auch sonst, wenn man sich im Regenwald befindet), so dass die Slickbereifung, insbesondere an der Hinterachse, für die eine oder andere Querbewegung sorgte. Na ja, die Fahrt bis zur ersten kurzen Pause dauerte etwa eine viertel Stunde und währendessen stellte sich der Fahrer als ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Ecuadorianer heraus, der uns immer wieder Tipps zu interessanten Orten und Aktionen gab. Die erste Station bot eine Gondelfahrt am Drahtseil. Also hieß es bei zunächst noch leichtem Regen: 3 USD zahlen und ab über die Nebelwaldschlucht hin- und zurückfahren. Die Konstruktion des Antriebs für die etwa 400 Meter breite Überquerung war schon witzig: man stelle einen ausrangierten Motor in eine halboffene Hütte, flantscht ein Autogetriebe an, schweißt noch irgendwo ein paar Pedale an eine Pseudohalterung und los gehts. Sehr abenteuerlich war nicht nur die Fahrt und Aussicht trotz Regens, sondern auch die Halterung der Gondel am Stahlseil. Soll heißen: wenn man aufgestanden ist in der Gondel, durfte man sich nicht aufrecht beugen, weil man sonst mit dem Kopf an das mit einem etwa 3 cm breitem Blech "gesicherte" Drahtseil gestoßen wäre.


Sei es drum, "no risk, no fun" - dennoch steht man natürlich auf! Leider war die Fahrt hin wie auch zurück nach nur etwa zehn Minuten vorbei und so hieß es erst einmal wieder in den Pick-Up einzteigen, um die nächste Station anzufahren.
Am nächsten Ort wartete ein langer steil abfallender Weg auf sich, der nicht nur auf Grund seiner vielen Unebenheiten und Stufen gelenkschädigend sein sollte, sondern auch wegen seiner ebenfalls matschigen "Konsistenz". Denn man sollte nicht vermuten, dass es in der Zwischenzeit aufgehört haben sollte zu regnen, bestimmt nicht! Also war die Oberflächenerosion infolge des Niederschlags bereits weit fortgeschritten (Schluss jetzt mit diesem hochgestochenen Blabla). Na ja, nichtsdestotrotz war es ein lustiges Unterfangen, den Weg herabzulaufen - erneut begleitet von zahlreichen Beinahe-Ausrutschern und teils fluchenden Ausdrücken ;-) Auf dem Weg gab es verschiedenste Attraktionen: Canupi (an einem Stahlseil hängend [in unterschiedlichsten Positionen] eine Distanz entlangrutschen) und Lianenschwingen zählen beispielsweise dazu. Erstgenanntes gehört zu den Hauptsportarten. Wobei die erste Versionen schon mal sehr beeindruckend war: Hierzu seht euch selbst das Video an! Den Absprung von einer Art "Startbahn" finde ich dabei schon sehr lustig.


Zum Lianenschwingen: zugegeben, das Schwingen fand nicht wirklich an einer natürlichen Liane statt, sondern an einem etwa zehn Meter langen Schiffstau, das in einer der Baumkronen befestigt wurde (der Spaß sollte dadurch aber nicht minder groß sein). Nachdem wir alle einmal unser Glück versuchten, ging es dann auch weiter, immer näher zum bereits wahrnehmbaren Rauschen des Wasserfalls.



Nach einigen Minuten, einer Flussüberquerung über eine denkbar merkwürdig aussehende Brücke (dessen Konstruktion zu keiner Zeit auch nur den Begriff Statik gehört hat, geschweige denn auf sie geprüft wurde) war dann das Ziel erreicht. Nebst der direkten Bademöglichkeit im Fluss (wer sich noch an das Video zu Peter André - Mysterious Girl erinnert, der Ort wäre dem [bei gutem Wetter] schon nah gekommen) war es ebenfalls möglich über eine Rutsche und aschließendem freien Fall aus etwa drei Metern den Weg ins Wasser zu finden. Außerdem gab es die Möglichkeit des Canyoning (Abseilen an / in einem Wasserfall). Leider muss ich gestehen, dass ich Letzteres nicht gemacht habe - auf Grund des schlechten Wetters hatte niemand Badesachen dabei. Bei dem nächsten Besuch (bei schönem Wetter) wird das natürlich nachgeholt! Nachdem wir einige Zeit die Abseilmanöver beobachteten, dessen Abschluss von einem Sprung (ebenfalls etwa drei Meter Höhe) in den Fluss gekrönt wurde, ging es die ganze Strecke zurück. Nicht nur, dass einem mittlerweile trotz des leichten Regens warm geworden war, sondern auch noch die komplette Wanderung wieder bergauf, sorgte ebenso für erneut fluchende Wörter wie auch seitens Konditionsmangel notwendige Pausen. Am Ausgangspunkt angekommen wartete dann wieder der freundliche "Chauffeur" auf unsere Ankunft / Weiterfahrt.
Das nächste Ziel war nicht weniger von sportlicher Aktivität begleitet. Allerdings sollte der stärker werdende Regen die Stimmung etwas schmälern - jedoch nur etwas! Es wartete ein ganzer Canupi-Park auf uns. Nach der Ankleidung (dazu gehörten ebenso angenehm "duftende" na ja verschwitzte Handschuhe) und Instruktion ging es gleich los. Unterschiedlich lange Strecken (alle zwischen 100 und 500 Metern), variierende Aussichten / Abgründe und natürlich, wie bereits angekündigt, verschiedenste Haltungen unter dem Drahtseil sorgten zu keiner Zeit für Langeweile. Während den insgesamt zehn Stationen wurden dann neben der normalen "Chill-Haltung", die Superman-Figur (siehe Video aus dem Post zuvor) ebenso nachgeahmt, wie die Fledermaushaltung (kopfüber, einzig befestigt am Hüftgurt - die Blutergüsse sind noch immer am Körper zu sehen) oder der Schmetterling (ebenfalls kopfüber, Beine und Arme ausgestreckt). Die zwei Guides sorgten dabei stets für zusätzliche Stimmung!
Danach ging es dann erstmal wieder zurück in die Stadt Mindo, eine Stärkung war mittlerweile dringend notwendig (Arepas & Pilsener helfen immer). Als letztes ging es dann vor unserer Abreise nach Quito in einer Schmetterling- und Kolibristation. Da ich bislang noch nie diese Vögel gesehen habe, war deren Flugtechnik (~80 Flügelschläge / Sekunde) beeindruckend. Das Schweben auf einem Punkt ist da nur ein Aspekt (siehe Fotogalerie). Nach den vielen Eindrücken ging es dann wieder für 2 1/2 Stunden im Bus zurück nach Quito respektive Cumbayá.

Dienstag, 16. November 2010

Video Superman

Ausflug nach Papallacta

Wie bereits angekündigt, ging es am vergangenen Samstag nach Papallacta. Die rund 90-minütige Fahrt dorthin (gleiche Strecke wie nach Tena) verging schnell und so war jeder von uns gespannt, was uns dort erwarten würde. Neben einem Spa-Bereich (den wir nicht besucht hatten), gab es verschiedene Becken mit jeweils unterschiedlichen Temperaturen. Dabei gilt es zu erwähnen, dass jedes dieser Freiluftpools mindestens 34°C hat. (verdankt stets der Geothermie) Umso interessanter wird dieser Aspekt, wenn an der Frischluft in zwei Meter Höhe um dem Boden nicht einmal 5°C gemessen werden (nicht zuletzt auf Grund der Höhe über NN). Na ja, nach dem Umziehen in kleinsten Bretterverschlägen ging es dann im Badeoutfit (ihr könnt euch also vorstellen, wie kalt das war ;-)) in Richtung des ersten Pools. Allein die geringste Temperaturstufe sollte schon für wohltuende Gemütsstimmungen sorgen. Kurze Zeit später wurden dann auch die anderen Becken erkundet. Jedoch wurde auch dieser Besuch mal wieder von einer aus meiner Sicht beunruhigenden Sache begleitet: man stelle sich vor, man befindet sich 10.000 Kilometer von seiner Heimat entfernt, ist im Grunde sehr glücklich darüber und dann trifft man doch wieder eine Horde Deutscher (nebst uns versteht sich), die sich lautstark unterhalten und dessen Kinder für reinste Unterhaltung sorgen. Na klasse! Sei es drum, auch vor denen war schnell die Flucht in eines der anderen Becken angetreten (die Wanderungen von Becken zu Becken waren immer wieder von Zitter- / Schlotterpartien begleitet [ihr könnt euch vielleicht vorstellen wie es ist, wenn man leicht gekleidet aus einem etwa 37°C warmen Becken an die etwa 5°C kalte Luft]) und so konnte man stets beim Entspannen im warmen Wasser beobachten, wie die Wolkenzüge über die ringsherum gelegenen Berge entlangglitten.


Überdies war die Atmosphäre umso spannender, je mehr sich die Sonne ihrem Untergang näherte. Na ja, zum krönenden Abschluss ging es dann allesamt (mit mehr oder weniger großen Hemmungen) in ein Becken, dessen Wasserpegel gerade einmal bei flachster Körperhaltung dazu gereicht hätte, ihn zu umschließen, allerdings dabei eine Temperatur von 42°C aufwies. Was meint ihr, welches Körperteil ist es, dass am empfindlichsten (meine persönliche Erfahrung) auf diese "Hitze" reagiert? Ich kann euch verraten, es sind eindeutig die Füße und der Hinterkopf. Gerade bei erstgenanntem kommt das Gefühl schon 1.000 Nadelstichen sehr nah. Aber auch das ließ sich gut aushalten, ehe dann der Weg in das nebst gelegene Kältebecken angestrebt wurde. Der nur etwa vier Meter lange Weg zwischen beiden "Pools" war immer wieder ausreichend, um den Körper (sofern man gerade aus dem heißen Wasser kam) in einer eigenst produzierten Dampfwolke verschwinden zu lassen. Na ja, dieses "Wechselspiel der Gefühle" ging dann bei mir insgesamt sechs Mal (also: warm-kalt-w-k-w-k), so dass mein Körper dieser Reizüberflutung mit sehr unterschiedlichen Maßnahmen reagierte: Zu den Füßen und Beinen: die sahen aus, als wären sie gerade aus einem Kochtopf entsprungen ;-) Zu den Händen: nicht nur das die Haut völlig verschrumpelt war (wie man es aus seiner Kindheit vielleicht noch kennt, wenn man zu lange in der Badewanne war und "Opa" gespielt hat), sondern sie war auch gänzlich Blutleer, zumindest ließ das die Hautfarbe erschließen. Zum restlichen Körper: dem war es mittlerweile völlig egal, dass er an der kalten Luft steht (fühlte sich eher so an, als wären es 15°C).


Na ja, ich denke, dass dieser Ausflug nicht nur meinen Kreislauf teilweise etwas durcheinander gebracht hat, sondern ferner auch meine Abwehrkräfte gestärkt haben sollte (zumindest hoffe ich das ;)) Nach dem Besuch ging es noch in ein kleines Hostel mit "Restaurant", um vor der Heimfahrt mit dem Bus noch schnell einen Kaffee, Cappuccino oder Kakao zu sich zu nehmen. Die Bilanz der älteren Dame fiel nach unserer Bestellung ernüchternd aus: die vier Cappuccino wurden plötzlich zu vier Kaffee, zwei Kakao zu warmer Milch (und das, obwohl man sich in einem Land befindet, in dem der Kakao angebaut wird!) und der bestellte Kaffee war zum überragenden Abschluss eine heiße Tasse Wasser. Die ganze Zubereitung dauerte dann auch noch eine knappe halbe Stunde! Die Flucht aus dem Laden war schnell angetreten und so ging es ab zur Bushaltestelle. Dort warteten allerdings schon eine ganze Menge anderer Fahrgäste und als der Bus dann letztendlich eintraf, war nur noch so wenig Platz, dass man entweder stehen musste, oder aber, so wie ich, hinter dem Busfahrer, direkt auf der Schlafbank platznehmen durfte - bei dem Fahrstil hier in Ecuador, ein großes Erlebnis!


Samstag, 13. November 2010

Wochenendplanung 13./14.11.2010

Nicht, dass ihr denkt, ich komme nicht mehr zum posten! Aber im Moment läuft relativ wenig. Nach dem Wochenende sieht das jedoch völlig anders aus (vermute ich jetzt einfach mal). Nachdem es heute schon in die Shopping Mall "Quicentro" von Quito ging (sehr edel, aber bei Markenartikeln auch extrem teuer - Importe eben!), steht für den morgigen Samstag und den Sonntag einiges auf dem Programm. Allerdings ist zu hoffen, dass sich das Wetter bis dahin noch etwas bessert. Leider ist es nämlich schon seit den letzten zwei Tagen bewölkt, wenn auch teils mit Auflockerungen und Sonnenschein (ihr merkt, ich könnte zumindest den beruflichen Part von Herr. Meteorologen K. übernehmen ;-)). Zum großen Ganzen kam dann gerade noch ein Gewitter hinzu. Na ja, aber wollen wir hoffen, dass sich das Wetter bis morgen wieder beruhigt, so dass es dann am Samstag nach Papallacta (gehört ebenfalls zur Provinz Napo) gehen kann. Auf die zweistündige Fahrt folgt dann ein Besuch im "Schwimmbad". Aber nicht ein normales, sondern ein durch geothermische Quellen gespeistes Freiluftschwimmbad. Nicht nur, dass es sehr entspannt ist und zudem auch noch gesund sein soll. Auch die Lage verleitet zu einem Besuch. Geschwommen oder entspannt wird auf rund 3.900 Meter Höhe und ein Blick auf den nahegelegenen Vulkan Antisana (Höhe über 5.700 Meter) gibt es bei gutem Wetter gratis - also bitte "Wettergott", lass das Tief wegziehen! Nach diesem Tagesausflug wird es dann am Sonntag ebenfalls für einen Tag nach Mindo gehen. Dort findet man eine besondere Art des Regenwaldes - den Nebelwald. Neben kuriosen Brücken über Bachläufen (die man sonst nur aus Indiana Jones-Filmen kennt ;-)) kann dort mal wieder eine besondere Flora und Fauna angetroffen werden. Bilder und Ausführungen folgen. Bis dahin heißt es abwarten! :-)

Mittwoch, 10. November 2010

Umgewöhnung - die Kuriositäten des Alltags!

Mittlerweile sind es fast zwei Wochen, dich ich mich im schönen Ecuador aufhalte. Damit stehen noch exakt 139 aus - eine Menge, zum Glück. Damit sind schon die ersten subjektiven Eindrücke von mir gefallen. Meine im Vorfeld vorhandene Skepsis über das, was mich wohl für die nächsten fünf Monate erwarten wird, ist schnell einer Zufriedenheit und Sympathie gewichen.
Sicherlich gab es Aspekte, an die ich mich zu Beginn oder noch immer gewöhnen muss. Beispielsweise die Höhenlage, die einem noch immer frecher Weise unbewusst bei Steigungen den Atem raubt. Oder aber die schlicht andere Mentalität der Menschen, die zwar zu der Deutschen grundsätzlich undisziplinierter erscheinen mag, aber bei Gewöhnung / Berücksichtigung nicht nur akzeptabel, sondern auch angenehm erscheint - einfach mal keinen Zeitdruck verspüren. Ein anderer Aspekt ist einfach die Art der Verkehrsführung und "Gesetze". Insbesondere letztere scheinen in Ecuador bzgl. des Verkehrs gar nicht bekannt zu sein. Es wird gefahren, wo eben Platz ist. Blinker sind völlig überflüssig, einzig die Warnblinklichfunktion wird zum Ein- und Aussteigen von Personen betätigt (wobei dann der nachfließende Verkehr zum Dauerhupkonzert animiert wird). Wichtigste Funktion im Verkehr ist eindeutig die Hupe. Eine in Deutschland schir unvorstellbare Eigenart ist, dass an einer Kreuzung (Ampeln gibt es hier nicht viele) derjenige als erstes (Weiter-)Fahren darf, der auch zuerst gehupt hat. Was hat das zur Folge? Richtig, eine stets polyphone Geräuschkulisse. Na ja und wo wir schon mal bei dem Punkt Verkehr sind: Zebrastreifen werden von Autofahrern stets ignoriert und Ein- respektive Ausparken können Ecuadorianer alle (ich denke, diese Verallgemeinerung ist berechtigt) nicht. Als letztes möchte ich auf einen aus Fußgängersicht sehr wichtigen Aspekt eingehen, der einem, wenn man es weiß, dass überleben sichert. Es geht darum, wie man eine Kreuzung  oder Straße im Allgemeinen überqueren kann, wenn weder Zebrastreifen berücksichtigt werden noch Ampeln vorhanden sind: man geht einfach drauf los! Klingt, als wäre man süchtig nach dem Adrenalinkick. Dem ist nur teilweise so, denn in Ecuador gilt das Gesetz, dass wenn man von einem Fahrzeug angefahren wird, der Fahrer für zwei Wochen das Zimmer hinter den schwedischen Gardinen besucht. Gut, kann natürlich trotzdem ungünstig für den Fußgänger ausgehen, doch geht (nach eigenen Erfahrung kann ich da bestätigen) niemand dieses Risiko ein. Na ja, dass sind nur einige Aspekte, die bzgl. des Verkehrs in Ecuador eigenartig sind, die Liste könnte sonst wohl noch um einige Aspekte ergänzt werden (Taxifahrer; allmorgentlicher Verkehrsstau, weil die reichen Eltern meinen ihre Kinder persönlich zur Schule bringen zu müssen etc.).
Auf einen anderen Aspekt möchte ich nur kurz eingehen, weil die Tatsache mich schlicht nervt und ich mich auch nicht daran gewöhnen werde / möchte. Es gibt unzählige Hunde (wilde, also auch in privater Haltung) in Ecuador. Grundsätzlich ist nichts gegen Hunde einzuwenden, aber die Tatsache, dass der Nachbar drei seltenst dumme Hunde besitzt, die mittlerweile jede Nacht zwischen 3 Uhr und 4 Uhr meinen ein Bellkonzert abliefern zu müssen, nervt extrem und das trotz der Tatsache, dass mein Zimmer nicht einmal zur Seite des Nachbarns gelegen ist (wie die der Mädels - gar nicht gut). Diskussionen über mögliche Maßnahmen sind bereits entfacht ;-)
Andere Dinge kennt sicherlich jeder aus dem einen oder anderen Auslandsaufenthalt: Milch und Importprodukte sind verhältnismäßig teuer (wenn auch noch "leistbar"), Gemüse, Obst, Brotprodukte, Bier (was ein Glück) und Benzin / Diesel (so kann das mit der Minimierung eines Treibhauseffektes [sofern man von einem überhaupt sprechen kann, aber das ist ein anderes Kapitel] auch nichts werden) extrem günstig, na ja eher billig!
So, dass war erstmal eine Übersicht, ich denke, da werden im Verlauf meines Aufenthaltes hier in Ecuador noch einige Dinge folgen. Ein ergänzender Post wird dann sicher folgen.

Eine Interpretation