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Dienstag, 1. Februar 2011

Teleférico - Pichincha

Schon lange bestand das Vorhaben mit der Seilbahn "Teleférico" auf den Vulkan Pichincha zu fahren. Allerdings ließ das oftmals schlechte Wetter eine Fahrt auf den Heimatvulkan Quitos sinnlos erscheinen. Nachdem das Projekt schon viele Male gescheitert war, sollten auch am vergangenen Wochenende die Bedingungen nicht besser sein. Nach der Rückkehr am Samstag Abend aus Cotacachi war Quito vom Dach der Schule aus nicht annähernd zu erblicken - zu dicht war die Wolkendecke. Infolgedessen gingen die Überlegungen einmal mehr in die Richtung, die Besteigung des Pichinchas zu verschieben. Nur leider sollten die nächsten gemeinsamen Wochenenden ebenfalls verplant sein.
Nun gut, am nächsten Morgen klingelte trotz allem der Wecker im Haus früh. Zum Glück, denn das Wetter zeigte sich so klar wie selten zuvor und so waren bereits vom Dach aus nicht nur die Teleférico-Bergstation, sondern auch der nahe gelegene Vulkan "Corazón" zu sehen. Voller Motivation ging es um halb 8 Uhr zum Terminal "Rio Coca" nach Quito, um von dort aus mit dem Taxi zur Talstation des Teleférico zu fahren. Bereits auf den Fahrten war der Schildvulkan Cotopaxi in weiter Ferne am Horizont zu erblicken. Nachdem wir an der Seilbahnstation angekommen waren, fügten sich der Cayambe, Antisana, Cotopaxi und Corazón mit der schier unendlichen Hauptstadt Quito zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Los ging es also: Ticket gekauft, durch das metallische Irrlabyrinth für derzeitig nicht vorhandene Warteschlangen hindurch standen wir fünf auf den Wartepunkten um die Gondel "11" für die nächsten rund dreißig Minuten zu besetzen. Den übrigen freien Platz belegte ein freundlicher Herr, der unser latentes Halbwissen über die Namen der Vulkane zu enträtseln wusste und uns bei der Zuordnung korrigierte (der Antisana ist eben doch nicht der Chimborazo!). Der Aufstieg mit der Gondel an sich sorgte ansonsten jedoch für Stillschweigen, zu beeindruckend waren die Bilder mit zunehmender Höhe. Dem 14. Stützpfeiler folgte unmittelbar die Bergstation des Teleférico. Dort ausgestiegen ging es unmittelbar zur Aussichtsplattform. Die Ankunftshöhe von etwa 4.050 Metern über NN machte zu unserem Glück keine Probleme, zu sehr schien der mittlerweile dreimonatige Aufenthalt (für mich) auf etwa 2.600 Meter über NN den Höhenunterschied nicht spürbar zu gestalten. Nachdem viele Fotos von diesen bereits überwältigenden Blicken gemacht wurden, ging es um 9:30 Uhr los, stets mit dem Ziel, den bereits sichtbaren und vermeintlich nicht allzu weit entfernten Gipfel des "Rucu Pichincha" zu erklimmen (mein erstes Vorhaben dieser Art). Die Route "1" sollte für die nächsten Stunden uns leiten.


Die Distanz von der derzeitig höchsten Bergstation "Cruz Loma" (für zivile Nutzung) auf einer Höhe von etwa 4.050 Meter bis zum Gipfel auf etwa 4.700 Meter Höhe wird von unterschiedlichen Quellen auf eine Distanz von etwa 15-19 km geschätzt. Bereits die ersten Meter machten mir klar, dass die Luft schon hier deutlich dünner sein würde, als im Ort Cumbayá. Zum Vorteil war es auf Grund des perfekten Wetters nicht allzu kalt. Im Gegenteil: die Sonneneinstrahlung auf dieser Höhe, zumal unmittelbar am Äquator, ist deutlich intensiver, als ich es mir vorstellte. Die ersten Anstiege auf dem trockenen Pfad forderten jegliche vorhandene Muskel meines Körpers immer wieder heraus. Der Puls näherte sich währendessen immer mehr einer Technobeat-Party an. Natürlich hat sich vor vielen tausend Jahren die Natur auch nicht gedacht, dass man vielleicht irgendwann mal einen Pfad hier anlegen würde und so ist der Weg keineswegs einfach nur durch einen gleichmäßigen Anstieg geprägt, sondern vielmehr durch ein parabelförmiges Auf und Ab. Nach der ersten Stunde folgte eine dringend notwendige Pause. Zu sehr hatte ich die Anstrengungen unterschätzt. Wenige Minuten später ging es aber auch schon wieder weiter. Dabei nicht nur über irgendwelche Trampelpfade, sondern auch an Felswänden entlang oder hinauf.

 


















Mit der zunehmenden Höhe und der parallelen Entwicklung der körperlichen Erschöpfung (beides lässt sich nur sehr schwierig in Einklang bringen) fiel dann nach einer weiteren Pause und etwa 2 3/4 Stunde Wanderung der letzte Anstieg zum Gipfel des Rucu Pichincha besonders schwer. Nicht nur der fehlende Sauerstoff, sondern auch die Beschaffenheit des Bodens (Asche) sorgten für unzählige Pause auf den letzten Metern.
Dann, nach nunmehr ca. 3 Stunden war es geschafft, wir waren alle zusammen oben angekommen. Viele Gesichter, die man auf dem Weg dorthin getroffen hatte, verweilten noch immer hier. Die Fortbewegung der Wolken über die Gipfelrücken glich dabei einem Spektakel. Zugleich wurde es infolgedessen deutlich kühler auf einer Höhe von etwa 4.700 Metern. Aber all die Strapazen bis dahin hatten sich gelohnt, denn einen derartigen Ausblick bekommt man in Europa lediglich auf dem Mont Blanc (4.800 Meter über NN), der allerdings auf Grund seiner Schneeschicht deutlich anstrengender zu besteigen sein dürfte. Zudem hatte man, sofern sich die wenigen Wolken verzogen hatten, einen wundervollen Blick auf die umliegenden Vulkane.


Na ja, mit der mangelnden Bewegung dort "oben" wurde es mit der Zeit auch kalt und so ging es nach etwa 30 Minuten auch schon wieder herunter. Hierbei sollte sich die eben erwähnte Asche als doch noch nützlich erweisen. Demnach glichen die ersten Meter talwärts einem Surfritt. Jeder Schritt in der Asche zog sich über mehrere Meter, so dass sich die wasserdichten Wanderstiefel an dieser Stelle auch als staubdicht und somit sinnvoll erweisen sollten.
Da die Kraft und Konzentration auf dem Weg abwärts auch nicht plötzlich mehr geworden ist, im Gegenteil und zugleich dieselben Tücken auf dem Pfad warteten, wie schon wenige Stunden zuvor in umgekehrter Richtung, half nur noch entsprechende Musik, um die Strapaze möglichst schnell hinter sich zu bringen. Die wenigen mehr oder weniger ebenen Wegstrecken waren weniger das Problem, als bergab das ganze Gewicht abzufangen und dabei nicht gleichzeitig auf dem staubigen Untergrund auszurutschen. Dieses Unterfangen wurde von mir ohne Zwischenfälle nach zwei Stunden erfolgreich gemeistert, allerdings auch nicht spurlos. Blasen an den Füßen und Knieschmerzen resultierten ebenso wie Sonnenbrand im Gesicht und Nacken aus dieser Wanderung.
Dennoch bereue ich keineswegs, diese Wanderung auf den Pichincha gemacht zu haben, egal wie anstrengend sie war. Denn dafür wurde ich nicht nur mit einem unvergesslichen Blick belohnt, sondern zugleich auch mit der Erfahrung, wie es einem bzw. mir auf einer Höhe von 4.700 Metern über NN so ergeht. Falls ihr irgendwann / -wo mal die Gelegenheit habt, eine derartige Tour zu unternehmen und ihr euch halbwegs fit fühlt, möchte ich euch einen solchen Ausflug ans Herz legen! Aber denkt daran: wie bei jedem Berg / Vulkan ist es so, dass er entweder euch bezwingt oder ihr ihn!

Cotacachi

Ehe es allerdings am vergangenen Sonntag hinauf auf den Vulkan Pichincha ging, hieß es erst einmal am Samstag ab ins Auto und Richtung Norden. Ca. zwei Stunden von Cumbayá entfernt, wenige Kilometer weiter nördlich gelegen als der Ort Otavalo, wartete der Ort Cotacachi auf unseren Besuch. Der Ort kann seine Analogie bzgl. der Namensgebung gegenüber dem Cotopaxi kaum verbergen und so handelt es sich auch bei diesem Dorf nicht nur um ein ebensolches, sondern eben auch um einen Vulkan. An dessen Basis liegt die für ihre Lederwaren bekannte Ortschaft.


Los ging es mal wieder unmittelbar nach Beendigung des Unterrichts. Zusammen mit Juan und Vicky ging es mit dem Auto gegen Mittag los. Nach der Fahrt war ein leckeres Mittagessen obligatorisch. Also ging es in das nächste Restaurant und dort warteten neben dem Steakteller einmal mehr eine ganze Tafel voll Deutsche. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es nach meinem Empfinden nicht einen Ort hier in Ecuador gibt, der nicht vor uns Deutschen sicher ist und damit meine ich nicht nur meinen Besuch.
Nach der Stärkung ging es dann unmittelbar durch die kleinen Straßen des Dorfes, stets auf der Suche nach dem Lederwarenmarkt. Doch dieser sollte unauffindbar bleiben; stattdessen bot sich uns eine ganze Straße bzw. Fußgängerzone mit unzähligen Lederwarengeschäften an. Neben Jacken, Sombreros, Portmonees, Rücksäcken und Taschen gab es selbstverständlich auch Kuhhäute zu erwerben, gemäß dem Vorbild eines Tigerfells. Unterschiede sind hierbei allerdings nicht zu übersehen: Farbe, Muster, Struktur und sicherlich die Größe differieren deutlich. Einen Tiger mit etwa vier Meter Länge, habe ich zumindest bis heute nicht gesehen respektive von gehört.


Na ja, auf Grund der vielen Läden war unser Fortbewegungstempo auch nicht sonderlich groß. Für eine Strecke von etwa 100 Metern waren so schnell 1 1/2 Stunden vergangen. Immer wieder von zahlreichen tollen Dingen begleitet, die dann vielleicht doch im nächsten Geschäft günstiger sein würden, verzögerte sich der Einkauf, so auch meiner. Denn bei derartigen Preisen konnte / durfte man nicht widerstehen.
Auf dem Rückweg ging es dann im Sonnenuntergang zum "Puertolago". Genauer gesagt zu einem Hotel an dem See. Das unscheinbare, weil nicht ausgeschilderte, wunderschöne, weil an einem See gelegen und Besondere ist, dass es nicht nur an, sondern vielmehr in einem See liegt. Die Glasfront des Restaurants nämlich ragt zu den Füßen in das Wasser hinein, so dass man während des Kaffee trinkens stets Wasser um sich herum hat. Faszinierend!


Nach dem "Wachmacher" ging es dann auch letztendlich zurück nach Cumbayá.

Montag, 31. Januar 2011

Teleférico - Pichincha (Hinweis)

Achtung: Der eigentlich Beitrag folgt später! Heute wurde zusammen der Pichincha erklommen. Ein wahnsinnig tolles Erlebnis, wenn auch erschöpfend bis an die eigenen physischen Grenzen. Daher wird morgen erst der eigentliche Beitrag hierhin seinen Weg finden. Ich hoffe, ihr versteht das, jetzt muss ich mich erstmal ausruhen!


Dienstag, 18. Januar 2011

Parque Metropolitano

Am vergangenen Sonntag ging es in voller Besetzung Richtung Quito. Ziel war dieses mal jedoch nicht der Flughafen oder gar irgendeine Shopping Mall, sondern der "Parque Metropolitano". Ebendieser stellt eine Art "grüne Lunge" der Hauptstadt dar und erstreckt sich im Osten von Quito, grenzend an Cumbayá, über eine Fläche von etwa 560 Hektar.
Dort angekommen, bemerkte ich zunächst den noch stärker spürbaren Temperaturgradienten zwischen Bewölkung und wolkenlosem Himmel. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: auf einer Höhe von etwa 2.900 Metern schafft es die Sonne bei direkter Einstrahlung nicht, die höhenbedingt kältere Luft derartig zu erwärmen, dass sie einem selbst dann noch angenehm erscheint, sobald ein Wolkenband sich vor die übergroße Energiequelle schiebt. Kurzum: Solange die Sonne in dem Park schien, war es angenehm, teilweise schon etwas zu warm. Sofern sich jedoch Wolken vor die Sonne schoben, wurde es schnell kühl. Egal, das sollte uns nicht davon abhalten, unser geplantes Picknick mit der ganzen Besetzung der Schule steigen zu lassen. Während drei Leute den Hinweg im Auto des Chefs bestritten, entschied ich mich für die Anreise per Bus / Taxi. Nicht nur, dass man immer wieder eine tolle Aussicht genießen kann und darüber hinaus noch witzigere Dinge im Bus erlebt, sondern auch die Tatsache, dass an der Busstation stets der "Yogoso"-Straßenverkäufer (Yogoso = Jogurteis, ähnlich  Wassereis, am Besten als "Pera Manzana") steht, überzeugten mich zu dieser Entscheidung. Nach der Taxifahrt also am Parkeingang angekommen, fiel mir sofort die Unmenge an parkenden Autos auf. Doch im Park davon nahezu keine Spur. Die enorme Größe sorgte dafür, dass sich die Menschenmassen auf dem Grünareal verliefen. Zahlreiche sportliche Möglichkeiten (Fahrrad fahren, Basketball, Volleyball, Fußball etc.), gerade bei dem sommerlichen Wetter, ließen meine Stimmung steigen. Unser Weg führte allerdings ein paar hundert Meter weiter durch den Park, fernab vom Trubel. An einem Aussichtspunkt angekommen, schlugen wir unsere Zelte, äh, natürlich Decken auf und packten alle mitgebrachten Picknick-Utensilien aus. Los ging's!


Nach dem leckeren Schlemmen und der obligatorischen Pause zur Regeneration vom vielen Essen ging es dann sportlich weiter: Tasche auf - Frisbee raus - den richtigen Platz gesucht (am Hang, noch interessanter als normales Frisbee!) und schon flog der Teller durch die Luft. Na ja gut, mehr oder weniger kontrolliert vom Werfer. Denn sobald am Hang eine Luftböe die kleine Plastikscheibe erblickte, veränderte sich die Flugbahn in ungeahnter / -kontrollierbarer Weise. Egal, der Spaß kam nichtsdestotrotz absolut nicht zu kurz und so sorgte der eine oder andere Hechtsprung für große Stimmung! Allerdings kann ich euch jetzt sagen, dass diese Art vom Sport am Hang und insbesondere in dieser Höhe umso anstrengender ist, also war nach einer knappen 3/4 Stunde auch schon wieder Schluss.
Um den Puls etwas zu beruhigen ging es dann zu dem Aussichtspunkt, natürlich mit der Kamera. Ein einfach großartiger Blick Richtung Osten. Und was liegt im Osten? Richtig, Cumbayá! Also schnell das "Reservorio" gesucht und einfach mal "blind" mit Achtung: Digitalzoom (schrecklich, dieses Wort!) in die Pixelmasse fotografiert. Tatsächlich, selbst aus dieser Entfernung war das Schulgebäude der Europaschule unmittelbar in Verlängerung des Sammelbeckens zu erkennen.
Na ja, nach einigen Fotos mehr und der langsam untergehenden Sonne wurde es auch kühl und so beschlossen wir die Heimreise anzutreten. Nicht nur um einen wunderschönen Ort in der Hauptstadt Quito reicher, sondern auch mit der Vergewisserung, sicherlich nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein!


Montag, 10. Januar 2011

0° - aber von Kälte keine Spur & "Touch Down"

Wie kann es sein, dass man sich bei 0° draußen an der frischen Luft befindet, die Sonne scheint und man im T-Shirt angenehm durch die Landschaft laufen kann? Richtig, wir sprechen gar nicht über Celsius oder Fahrenheit, sondern über die Breitengraden und in diesem Fall über den größten Breitengrad der Welt - den Äquator!
Am gestrigen Samstag stand unter anderem das Äquatormonument "Mitad del Mundo" als eines der letzten Orte meines "Reise-Wunschzettels" für Ecuador auf dem Tagesprogramm. Wie so oft ging es zunächst nach dem Unterricht mit dem Bus nach Quito um von dort aus nach einer weiteren Taxifahrt mit einem Metrobus etwas mehr als 20 Kilometer in nördlicher Richtung zum Denkmal zu fahren. Dort angekommen, mussten ich das erste Mal spüren, dass es in Quito wärmer war als in Cumbayá. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: dort, wo keine Wolken sind, ist es am Tag bei direkter Sonneneinstrahlung eben wärmer. Nun gut, zwar waren wir mit Jacke und Schal für den Tag in Quito viel zu warm ausgerüstet, aber wir hatten ja für später noch mehr vor - dazu folgend mehr!
Auf Grund des Wochenendes sollte die "Mitte der Welt" von zahlreichen Touristen, aber auch Einheimischen besucht sein. Jeder, der den Weg nach Ecuador sucht, möchte ja schließlich von sich sagen können, dass er mit einem Bein auf der nördlichen und mit dem Anderen auf der südlichen Hemisphäre gestanden hat. Das wohl mit berühmteste Schild in gesamt Ecuador (siehe Bild) wird darum auch im fliegenden Wechsel von den Besuchern besetzt - natürlich auch von mir!


Unmittelbar unter sich die Streckenhalbierende der Meridiane. Im Rücken ein etwa 30 Meter hohes Monument, dass "direkt" auf dem Äquator steht und die jeweiligen Himmelsrichtungen anzeigt, im rechten Winkel demnach Norden und Süden markiert. Wenn man schon mal an so einem besonderen Punkt ist, möchte man selbstverständlich auch schöne Erinnerungen haben, so dass erst einmal ein ausgiebiges "Fotoshooting" folgte.


Der Ort verlor allerdings an Bedeutung für mich, als ich im Vorfeld nachgelesen hatte, dass die im Boden eingelassene gelbe Linie nicht exakt den Äquator wiederspiegelt - warum? 1736 wurde von den Franzosen und Ecuatorianern der 0. Breitengrad vermessen. An dieser Stelle sollte er sein. Neueste GPS-unterstützte Vermessungen haben allerdings bewiesen, dass das Monument um 180 Meter (!) an der falschen Stelle steht. Doch relativ viel. Diese Abweichung ist insbesondere dann lächerlich, wenn man sich überlegt, dass Jahrhunderte zuvor der exakte Punkt bereits festgestellt wurde und zwar von den Inkas. An der genauen "Mitte" nämlich hat man nach Ausgrabungen ein Monument aus der Inka-Epoche gefunden. Warum dann also viele hundert Jahre so eine Fehlmessung? - die Antwort darauf wissen wohl nur die Franzosen selbst! ;-) Nun gut, nur wenige Menschen sind eben über diese Tatsache informiert, so dass man natürlich die Fünfe gerade sein lassen kann und trotzdem den scheinbaren Mittelpunkt der Erde als solchen anerkennen kann. Warum immer so pingelig sein.
Nach den vielen Fotos ging es dann noch in das anschließende "Touristendorf". Neben unzähligen Souveniergeschäften und Restaurants ist hier auch ein kleiner Platz mit einer Bühne zu finden. Die Atmosphäre hier ähnelt einer allsontäglichen Belustigung für Rentnerinnen und Rentner in irgendeinem Kurort. Uns gefiel es bei etwas Livemusik einen Kaffee in der prallen Sonne zu genießen und irgendwie muss man sich ja schon mal auf die Jahre im hohen Alter einstimmen ;-)


Am Nachmittag ging es dann zum zweiten Teil des Tageswerkes zurück in die Stadt. Das Ziel war der Flughafen Quitos inmitten der Stadt! Nach einem größeren Spaziergang durch die scheinbar ersten geschlossenen Wohnsiedlungen im Westen Quitos kamen wir dem abgesperrten Flughafengelände immer näher. Wenn man einen so "besonderen" Flughafen vor der Haustür hat, wollte ich schließlich einmal miterleben, wie die Flugzeuge im Sinkflug über die Häuserlandschaft und meinen Kopf den kleinen Flughafen ansteuern. Jetzt sollte sich auch auszahlen, dass wir alle so warm von Cumbayá angereist waren. Das offene Flugfeld sorgte für einen ständigen leichten Wind, der mit untergehender Sonne sehr kalt wurde.


Dort angekommen positionierten wir uns in Verlängerung etwa 400 Meter von der Landebahn entfernt, so dass die Flugzeuge garantiert über unsere Köpfe hinweg fliegen würden. Und tatsächlich: gleich das erste Flugzeug war von allen späteren das Extremste. Das gleiche Flugzeug, mit dem auch ich meinen interkontinentalen Flug bestritten habe (Airbus A340-300 [vierstrahlig] von Iberia) landete unmittelbar nach unserem Eintreffen. Da die Landebahn des "Aeropuerto Internacional Mariscal Sucre", kurz UIO, für derartige Flugzeuge nicht gerade großzügig bemessen ist, versuchte der Pilot der "Maschine" so früh wie möglich den "Touch Down" auf der Landebahn zu positionieren, um so möglichst viel Bremsweg zu haben (der Rückschub bei der Landung meiner Hinreise war ja derart heftig, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe). Demzufolge überflog der Pilot nur wenige Meter über dem Zaun auch unsere Köpfe. Doch nicht nur das war mehr als beeindruckend, sondern auch die wenigen Sekunden zuvor. Denn vom Lichtpunkt am Himmel (Triebwerkslichter) bis zum Zeitpunkt, an dem man sich reflexartig vor der Maschine duckt vergeht nur wenig Zeit und die Augen werden währendies immer größer. An dieser Stelle sei angemerkt, dass man sich vielleicht etwas mehr für Flugzeuge interessieren muss, damit solche Emotionen aufkommen.


Von der Lautstärke möchte ich gar nicht weiter sprechen, sonderlich gesundheitsförderlich ist die vermutlich nicht! Na ja, so haben wir dann mehrere Flugzeuge bei ihrer Landung beobachtet - manche größer, manche kleiner. Doch auch die zwischenzeitlichen Starts sorgten für große Gesichter. Wann steht man schon mal unmittelbar hinter einem Flugzeug auf dessen Weg zum "Airborne" - stürmisch beschreibt es aber sehr gut.
Nachdem es uns dann irgendwann zu kalt wurde, suchten wir uns das nächste Taxi und steuerten den Heimweg an. Ein langer Tag mit vielen Eindrücken und Fotos ging so zu Ende.

Sonntag, 9. Januar 2011

Silvester 2010

Natürlich wurde auch hier das Jahresende zelebriert - wenn auch etwas anders. Als Erstes wurde hier selbstverständlich zur deutschen Mitternachtszeit, also um 18 Uhr equatorianischer Zeit angestoßen. Jahrelange Gewohnheiten müssen ja weiter Bestand haben. Zunächst wurde das erste Neujahr mit einheimischen Getränken und Hopfenkaltschalen begrüßt. Nach etwas Verweilzeit daheim, machten wir uns dann irgendwann auf den Weg Richtung Quito - immerhin musste in der Hauptstadt ja etwas los sein. Dort angekommen, mussten die noch etwa 2 1/2 Stunden bis zur hiesigen Mitternacht und dem Wechsel ins Jahr 2011 überbrückt werden. Das geht ja doch meist sehr schnell, zumal, wenn man sich im Touristenviertel "Mariscal" befindet. Um kurz vor Mitternacht begaben wir uns dann alle zum "Plaza Mariscal Foch".


Allerdings warteten hier anstelle eines großen gigantischen Feuerwerkes (Pyrotechnik ist hier sehr kostspielig) ein haufen selbstgebastelter lebensgroßer Puppen, gestapelt auf einem Berg, auf uns. Das ist hier die Tradition: Jede Person / Familie baut zum Jahresende eine solche Puppe, kleidet sie an (oder für die Oberschicht - die geht einfach in ein Geschäft und kauft sich eine solche) und platziert in ebendieser einen Zettel mit drei Dingen, die im alten Jahr bleiben sollen. Wenn dann das neue Jahr beginnt, werden die Puppen verbrannt und die jeweiligen Personen springen über den lodernden Haufen. So auch ich!
Na ja, wie das dann eben so ist, kann man das Jahr ja nicht ohne eine entsprechende Feierlichkeit begrüßend zelebrieren. Derartiges haben selbstverständlich auch wir hier gemacht ehe es dann irgendwann wieder nach Hause ging.


Dienstag, 4. Januar 2011

West Coast - Teil 5: Aufenthalt in Guayaquil

Die Anreise nach Guayaquil verlief nach vorheriger Sitzplatzreservierung in einem sehr luxuriösen Bus (daher auch doppelt so "teuer" wie üblich - also 5,50 USD) reibungslos. Nach der Abfahrt um 13 Uhr in Montañita erreichten wir gegen kurz vor vier Uhr den "Terminal Terrestre" in Guayaquil. Um uns von dort aus den Stress mit den über 100 verschiedenen Linienbussen zu ersparen, nahmen wir uns unmittelbar ein Taxi und ließen uns zum "Puerta Maritima" fahren, in der Hoffnung, dass man dort einen tollen Ausblick haben und überdies ein günstiges Hostel finden würde. Nach einer turbulenten Taxifahrt dort angekommen (dreispurige Straßen werden dann gerne mal zu fünfspurigen) teilte der Taxifahrer uns mit, dass es hier vor Ort keine Hostels geben würde - nicht weiter verwunderlich, denn der Hafen erwies sich als reiner Frachthafen. Zudem wies der Fahrer uns darauf hin, dass es sehr gefährlich wäre, an dieser Stelle mitsamt unseres Gepäcks auszusteigen. Demzufolge entschlossen wir uns, uns zu einem günstigen Hotel in "Centro" fahren zu lassen. Am "Hotel Vélez" angekommen, ließen wir uns ein Dreibettzimmer zeigen - sauber, angemessen groß, mit einem Deckenventilator ausgestattet, ruhig - eigentlich perfekt, nur der Preis war etwas hoch. Na ja, nach Versuchen einer Verhandlung mit der Rezeptionistin teilten mir Nikka und Aylin mit, dass sie wieder zurück nach Montañita fahren wollten. Der erste Eindruck der Millionen-Metropole (hektisch, laut, dreckig etc.) entspreche nicht ihren Vorstellungen eines angemessenen Abschlusses der Reise. Ich hatte für mich nach über vier Tagen in dem Surferort Lust etwas Neues zu erkunden, zumal das eben auch unserer Route entlang der Küste entsprach (gut, von jedem Plan kann Abstand genommen werden, aber man sollte jedem Ort auch eine Chance geben, ihn kennenzulernen). Infolgedessen schlug ich vor, von hier an für die restliche Zeit bis zum Rückflug von Guayaquil nach Quito getrennte Wege zu gehen. Gesagt getan - die Zwei machten sich auf den Weg zurück nach Montañita, ich checkte demzufolge alleine in das Hotel ein und bezog mein nicht übermäßig großes, aber günstiges, sauberes, mit Doppelbett und eigenem Bad ausgestattetes Einzelzimmer. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf dem Zimmer und dem Sichten des Reiseführers machte ich mich in der Dämmerung auf, das Zentrum zu erkunden. Zunächst etwas verunsichtert, was und wer mich erwarten würde beobachtete ich stets mein Umfeld - Überfälle sollten hier gemäß des Reiseführers keine Seltenheit sein (nach meinem Aufenthalt vor Ort kann ich rückblickend jedoch nicht behaupten, dass ich einmal in einer gefährlichen Situation gewesen wäre). Mein Weg zur "Hauptstraße" des Zentrums, dem "Bulevar 9 de Octobre" wurde permanent von einem lauten Hupkonzert begleitet, dabei lief man wie Ameisen hintereinander die Straßen entlang und selbst an roten Fußgängerampeln wurde trotz Polizisten nicht gehalten, sofern der Verkehr das zuließ versteht sich (oder auch nicht - Wagemutige soll es ja überall geben). Nach einer kurzen Stärkung bei meiner zumindest in Deutschland favorisierten Fastfoodkette (hier hat der erste Besuch ein konträres Bild bei mir erzeugt - leider), lief ich die Hauptstraße weiter und weiter runter. Nach einigen Minuten stand ich das erste Mal vor dem "Malecón Simón Bolívar" - dem eindrucksvoll gestalteten Flussufer / -promenade entlang des "Guayas River". Nach dem kurzen Eindruck kehrte ich allerdings müdigkeitsbedingt schon um; kurz pausiert am Supermarkt ging es unmittelbar zurück ins Hotel. Dort stand für den Abend nur noch die Planung einer sinnvollen Route für den nächsten Tag durch das Zentrum an.


Früh am nächsten Morgen aufgestanden ging es nach einem kurzen "desayuno" gleich um 8 Uhr los. Die Route sah wie folgt aus:

  1. Station: "Parque Centenario" - schöner Park inmitten des Zentrums mit Siegessäule und Blick auf das "Casa de la Cultura".
  2. Station: "La Catedral" - große, beeindruckende Kathedrale, "versteckt" zwischen den Betonmassen.
  3. Station: "Parque Seminario" - eines meiner Highlights: unmittelbar gegenüber der Kathedrale sind hier nicht nur große Schildkröte im Teich und Eichhörnchen zu sehen, sondern auch zahlreiche große Landleguane können beim "Essen" beobachtet werden.
  4. Station: "Malecón Simón Bolívar" (inkl. dem "Palacio Municipal", dem "Palacio de Gobernación" und dem "Torre Morisca") - wunderschöne, aufwändig gestaltete Uferpromenade. Nicht nur das höchste Gebäude Ecuadors (gerade einmal 36 Stockwerke hoch) sowie der Uhrturm stehen hier, sondern auch verschiedenste Denkmäler sowie ein großes Segelschiff sind hier zu finden.
  5. Station: "IMAX", "Museo Antropologico", "Museo Arqueológico" und "Museo Arte Contemporario" - zahlreiche Museen sind am Nordende der Malecón zu finden. Ich habe allerdings nur das Muesum zur historischen Entwicklung der Hafenstadt besichtigt. War das Wetter vor dem Besuch (zum Glück) noch bewölkt, schien mit Verlassen des Gebäudes die pralle Sonne bei fast komplett blauem Himmel - nicht sonderlich empfehlenswert, weil man bei den eh schon hohen Temperaturen dann keinen Schritt mehr gehen möchte.
  6. Station: "Calle Noma Pompillo Llona" - gelegen in "Las Peñas", wird die Siedlung am Hang gelegen auch als Künstlerort bezeichnet. Zahlreiche bunte Gebäude geben sich die Klinke in die Hand, lediglich hin und wieder durch eine schmale Gasse voneinander getrennt. Hier ist nicht nur das Wohnhaus des Komponisten der ecuadorianischen Nationalhymne zu finden, sondern auch zahlreiche Künstlerhäuser / Galerien, ein Wohnhaus von Che Guevara und das Gründungsgebäude der "Pilsener"-Brauerei! Selbstverständlich habe ich auch die 444 Stufen bis zum Scheitelpunkt des Hügels erklommen. Allein der Weg hinauf bietet immer wieder schöne Ausblicke auf unterschiedlichste Teile der Stadt; im wahrsten Sinne des Wortes "getoppt" wird jedoch alles von dem Leuchtturm auf dem Gipfel. "Wendelt" man die Treppe hinauf, hat man einen unglaublichen Ausblick auf die ganze Stadt Guayaquil, wobei "ganz" übertrieben ist, weil ich mit bloßem Auge das Ende der Stadt in jede Himmelsrichtung nicht erblicken konnte.
  7. Station: "Museo de los Bomberos" - generell werden die Feuerwehrmänner in Guayaquil bzw. Ecuador sehr groß gefeiert!
  8. Station: "Iglesia de Santa Domingo" - die älteste Kirche in der Metropole Ecuadors (1548 errichtet), allerdings zwischendurch nahezu gänzlich zerstört und viele Jahre später wieder rekonstruiert.
  9. Station: "Mercado Artesenal" - gigantisch! Dachte, dass man in Otavalo schon gut Souvenirs erstehen konnte. Dieses von außem einem Parkhaus ähnelnde Gebäude hält allerdings im Erdgeschoss in engen Gengen, aber einer sehr freundlichen und familiären Atmosphäre mehr als 250 kleine Geschäfte für den nächsten Einkauf bereit. Sehr empfehlenswert...
  10. Station: "El Cementerio" - der schir unendlich große Friedhof der Stadt wurde natürlich auch von mir besichtigt. Unterschiedlichste prunkvolle Mausoleen sind hier zu finden. Im Hintergrund am Hang zahlreiche kleine Kreuze im Boden aufgestellt (eine perfekte Szenerie für einen Horrorfilm!). Na ja, nach ungefähr 30 Minuten Fußweg über den Friedhof hatte ich noch immer nicht das Ende des Geländes erreicht, so dass ich meinen Besuch dort dann abgebrochen hatte. Amüsant allerdings, dass die "normalen" Gräber so nicht existieren. Die Särge werden stattdessen (Achtung "Insider") hochregalmäßig gestapelt!
 
Nach der langen Tour, die bis zum späten Nachmittag andauerte, ging es zurück ins Hotel - ausruhen. Am Abend ging ich noch einmal die Straße des 9. Oktober ab. Dort erwartete mich etwas völlig verrücktes: auf der mehr als 800 Meter langen Strecke bis zum Malecón war einedurchgängige Tischtafel aufgebaut - Grund: ein Benefizdinner, veranstaltet durch die Stadt. Nachdem ich mir dieses Spektakel sowie den Sonneruntergang am Malecón angesehen hatte, machte ich mich am späteren Abend nach dem Essen und Einkaufen auf den Weg zurück ins Hotel. Interessiert wie viele andere Passanten vor Ort, lief auch ich das eine oder andere Mal mit meiner Einkaufstüte zu den Tischen näher hin. Leider bemerkte ich das eine Mal nicht, dass ich direkt neben dem Bürgermeister stand (der nahezu jedem einzelnen Dinnerteilnehmer [vorwiegend ältere, körperlich behinderte Personen] die Hand schüttelte), so dass dieser mich kurzer Hand auf der Schulter antippte und mich freundlich zum Weiterlaufen aufforderte - woher soll ich auch wissen, wie der "Alcalde" von Guayaquil aussieht?
 
 
Der nächste Tag bestand eigentlich nur noch aus einer kleinen Shoppingtour durch das Zentrum und dann aus dem Warten am Flughafen von Guayaquil, einerseits auf Nikka und Aylin, andererseits, dass der Rückflug nach Quito gestartet werden kann.
Fazit zur Küstentour: eine tolle, vielseitige Tour, mit vielen unvergesslichen Momenten (z.B. Erstkontakt mit dem Pazifik, Weihnachten, um nur zwei an dieser Stelle zu nennen).