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Montag, 7. Februar 2011

Quilotoa & Cotopaxi

Am gestrigen Samstag ging es also gleich mit den großen Bergen weiter! Direkt nach dem Unterrichtsende, das zum früheren Start extra umorganisiert wurde, ging es um 10 Uhr mit dem Taxi zum Bus-Terminal Quitumba im Süden Quitos. Etwas kuschelig wurde die rund 45-minütige Fahrt mit vier Leuten auf der Rückbank zurückgelegt. Leider sollte das Wetter dieses gesamte Wochenende nicht mitspielen, so dass die ansonsten wohl wunderschöne Aussicht desöfteren durch tief "hängende" Wolken verhindert wurde. Kurz vor der Ankunft im süden der Hauptstadt zeigte der Verkehr Quitos einmal mehr seine Schattenseiten in Form eines Unfalls und einem schwerstverletzten Motorradfahrer auf.
Unmittelbar angekommen, ging es gleich mit dem nächsten Bus weiter Richtung "Latacunga". Der ansonsten nur für seine Nähe zum Cotopaxi und für sein Stadtfest "Mama-Negra" bekannte Ort diente als Umsteigeoption auf dem Weg zur Caldera und zum Kratersee "Quilotoa". Der See hat einen Durchmesser von etwa 3 km und liegt auf einer Höhe von rund 3.900 Metern über NN. Bevor es allerdings wohl zum berühmtesten See Ecuadors ging, führte der Weg über das kleine Dorf Zumbahua. Von dort aus ging es dann für einige Dollar mit einem Pick-Up 30 Minuten bergauf zum besagten See. Wie bereits erwähnt, sollte das Wetter nicht mitspielen. Dort gegen 16 Uhr angekommen (der Zeitunterschied von der Abfahrt in Cumbayá und Ankunft an der Caldera zeigt, wie viel Zeit in Verkehrsmitteln verbracht wurde), war der Blick auf den See durch ein dichtes Wolkenband versperrt, dass sich leider nur teilweise auflösen wollte.


Im nachhinein wäre es ausreichend gewesen, sich den Kratersee lediglich vom Vulkanrand aus anzusehen. Aber irgendwie hatte uns das vergangene Wochenende dermaßen motiviert, dass wir den Weg hinab zum "Strand" des Gewässers auf uns genommen haben - wenig sinnvoll, wie sich herausstellen sollte. Bergab ist bekanntlich leichter als der Wiederaufstieg. So ging es in gut einer Stunde über Felsen und Vulkanasche hinunter. Dort angekommen, sollte auch gleich ein Regenschauer unser fröhliches Verweilen unterbrechen. Schutz fand sich schnell bei dem einzigen Haus (Hostel) auf Wasserniveau. Nach rund fünf Minuten des Verschnaufens und Wartens, dass der Regen, so schnell wie er gekommen ist, auch wieder aufhören mag, ging es also wieder bergauf, in der Annahme, dass unser Taxifahrer dort auf uns warten würde. Der Aufsteig durch das größtenteils lose bzw. weiche Bodenmaterial sollte sich anstrengender gestalten, als im Vorfeld vermutet und glich somit etwas dem letzten Wochenende auf dem Pichincha, einziger Vorteil, die krasse Sonneneinstrahlung fehlte, dafür aber auch die Aussicht! Na ja, mit mehreren Pausen stand ich dann nach gut 1 1/2 Stunden wieder an dem Ausgangspunkt. Allerdings während des Weges immer wieder davon verblüft, wie scheinbar mühelos und mehrmals die indigenen Kinder und (älteren) Erwachsenen den Weg hoch und wieder runter auf sich nahmen. Das zum Thema Training.
Also wir an der Caldera alle wieder versammelt waren, ein heißer Kakao bei den kühlen Temperaturen für Aufwärmung sorgte, konnten wir zugleich unseren Taxifahrer von der Hinfahrt nicht mehr sehen. Wie leider "üblich", denken ebendiese, sie könnten die vermeidlich "naiven" Ausländer über's Ohr hauen. Na ja, uns zum Glück nicht, weil wir die Anzahlung für den Rückweg grundsätzlich ablehnten. Zudem sollte sich der Rückweg mit einem zufällig dort vorbeifahrenen Bus deutlich günstiger gestalten, als mit einem privaten Chauffeur. Da es mittlerweile schon 18:30 und somit dunkel war, lag unser einzige Wunsch derzeitig nur noch in einem zeitnahen Bus zurück nach Latacunga, um zum einen aus der Kälte zu kommen und zum anderen eine baldige Unterkunftsmöglichkeit zu finden. Ein Glück sollte das unmittelbar klappen, so dass wir um 20:30 schon wieder in Latacunga waren. Nach einer kurzen Orientierungsphase ging es dann zu unserer ersten Wahl aus den verschiedenen Reiseführern, dem "Hotel Central". Es sollte seinem Namen wirklich alle Ehre bereiten. Nicht nur das es mit 8 USD / Nacht / Person günstig war, sondern darüber hinaus sauber, eben zentral  war und mit großen Zimmer aufwartete. Zu positiven Abrundung des Ganzen bestellten wir am Morgen für 2 USD noch ein Frühstück dazu, dass in einer Art privatem Wohnzimmer serviert wurde. Das Personal war überaus zuvorkommend und hilfreich (was Tipps anbelangte). So bekamen wir für das Geld nicht nur ein reichhaltiges Frühstück, sondern zum Abschied auch noch jeder ein kleines Geschenk (Ketten für die Damen, ich eine bedingt schöne Mütze für den kalten Aufstieg auf den Cotopaxi).


Apropos Cotopaxi: kurz darauf ging es mit dem Bus zu ebendiesem. Dort nach einer guten halben Stunde angekommen, empfing uns unmittelbar ein freundlicher Herr, der uns zunächst über einen möglichen Aufstieg informierte und uns dann anbot, uns per Pick-Up (wie auch sonst) zum "parqueadero" zu bringen (dem Parkplatz unmittelbar vor der Schutzhütte). Die "Auffahrt" sollte pro Person 10 USD kosten (angemessen laut Reiseführer). Zunächst etwas stutzig von diesem hohen Preis, gerade was Verkehrsmittel angeht, sollte sich dieser im Nachhinein als äußerst angemessen erweisen. Denn die etwa einstündige Fahrt von rund 3.200 Meter hinauf auf 4.500 Meter über NN verlief über äußerst unwegsame Pfade, teils durch Flüsse, teils über Felsbrocken. Insbesondere auf dem Rückweg waren wir dieser dann doch bevorzugten Wahl sehr dankbar, denn der Schneehagel hätte einen kompletten Abstieg äußerst unangenehm gemacht. Nun gut, auf dem Weg hinauf sah man nicht nur eine kleine Lagune, die infolge des vortägigen Besuchs allerdings äußerst minimalistisch erschien, sondern ebenfalls zahlreiche am Wegesrand stehende überhitzte Autos. Derartiges sollte uns zum Glück nicht passieren. Dennoch sollte auch an diesem Tag das Wetter bescheiden bleiben und so sah man vom Mustervulkan "Cotopaxi" nicht annähernd eine Silhouette durch das tiefe Wolkenmeer. Egal, geplant war geplant, also ging es hinauf! Zumal die gestrige Wanderung keine Spuren in Form von Muskelkater hinterließ - demnach waren keine Ausreden vorhanden, die allerdings in Anbetracht eines Cotopaxis eh nur geringe Gültigkeit gefunden hätten. Nachdem ich mich kurz zuvor noch gestärkt hatte, sollte sich der Aufstieg vom Parkplatz über etwas mehr als 300 Meter hinauf zur Schutzhütte durch einmal mehr Vulkanasche einfacher gestalten, als vermutet. Die Atemnot bzw. das Japsen nach Luft viel trotz der Höhe geringer aus, als auf dem Pichincha - vermutlich, weil die krasse Sonneneinstrahlung fehlte.


So ging es etwa 40 Minuten durch eine dichte Nebelwand hinauf; dort oben auf 4.810 Metern angekommen, setzte auch unmittelbar Hagel ein. Zu allem Unglück, weniger für mich, als für die Damen der Runde, waren die Toiletten nicht benutzbar, weil die Leitungen eingefroren waren. Nach einem warmen Kakao als Stärkung, machte ich mich noch einige Meter weiter durch den Schnee hinauf. Schwieriger als erwartet. Denn der auf dem ersten Blick trittfeste Schnee / Hagel stellte sich nach der entgültigen Gewichtsverlagerung als sehr tief heraus, so dass ich des Öfteren über Knietiefe hinaus versank. Na ja, nach diesem Auflug, ging es zurück in die Schutzhütte, wo sich unterdessen mehrere Deutsche und Deutschsprachige aufhielten - wie gesagt, man findet in Gesamtecuador wohl kaum einen Ort ohne ein einheimisches Wort zu hören.


Kurze Zeit später machten wir uns auf den Abstieg, ein obligatorisches Gruppenfoto durfte wie in Latacunga auch hier nicht fehlen, zumal es der höchste Punkt unseres Ecuadoraufenthaltes sein würde. Unten am Parkplatz angekommen, wartete glücklicherweise der Taximann auf uns. Allerdings hatte der einsetzende Hagel nicht nur die Landschaft gänzlich erweißen lassen, sondern auch das Auto etwas unterkühlt, so dass es erst nicht starten wollte. Jetzt sollte sich das Geld für die jeweils einstündige Hin- und Rückreise insbesondere auszahlen. Auf dem Weg hinab klarte sich der Himmel etwas mehr auf, so dass man nun zumindest etwas des Stratovulkans sehen konnte. Unten am Ausgangspunkt angekommen, folgte unmittelbar die einstündige Rückreise mit dem Bus nach Quitumbe und von dort aus mit dem Taxi eine weitere 3/4 Stunde zurück nach Cumbayá. Wieder einmal um viele Impressionen von zwei tollen Sehenswürdigkeiten reicher.

Dienstag, 1. Februar 2011

Teleférico - Pichincha

Schon lange bestand das Vorhaben mit der Seilbahn "Teleférico" auf den Vulkan Pichincha zu fahren. Allerdings ließ das oftmals schlechte Wetter eine Fahrt auf den Heimatvulkan Quitos sinnlos erscheinen. Nachdem das Projekt schon viele Male gescheitert war, sollten auch am vergangenen Wochenende die Bedingungen nicht besser sein. Nach der Rückkehr am Samstag Abend aus Cotacachi war Quito vom Dach der Schule aus nicht annähernd zu erblicken - zu dicht war die Wolkendecke. Infolgedessen gingen die Überlegungen einmal mehr in die Richtung, die Besteigung des Pichinchas zu verschieben. Nur leider sollten die nächsten gemeinsamen Wochenenden ebenfalls verplant sein.
Nun gut, am nächsten Morgen klingelte trotz allem der Wecker im Haus früh. Zum Glück, denn das Wetter zeigte sich so klar wie selten zuvor und so waren bereits vom Dach aus nicht nur die Teleférico-Bergstation, sondern auch der nahe gelegene Vulkan "Corazón" zu sehen. Voller Motivation ging es um halb 8 Uhr zum Terminal "Rio Coca" nach Quito, um von dort aus mit dem Taxi zur Talstation des Teleférico zu fahren. Bereits auf den Fahrten war der Schildvulkan Cotopaxi in weiter Ferne am Horizont zu erblicken. Nachdem wir an der Seilbahnstation angekommen waren, fügten sich der Cayambe, Antisana, Cotopaxi und Corazón mit der schier unendlichen Hauptstadt Quito zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Los ging es also: Ticket gekauft, durch das metallische Irrlabyrinth für derzeitig nicht vorhandene Warteschlangen hindurch standen wir fünf auf den Wartepunkten um die Gondel "11" für die nächsten rund dreißig Minuten zu besetzen. Den übrigen freien Platz belegte ein freundlicher Herr, der unser latentes Halbwissen über die Namen der Vulkane zu enträtseln wusste und uns bei der Zuordnung korrigierte (der Antisana ist eben doch nicht der Chimborazo!). Der Aufstieg mit der Gondel an sich sorgte ansonsten jedoch für Stillschweigen, zu beeindruckend waren die Bilder mit zunehmender Höhe. Dem 14. Stützpfeiler folgte unmittelbar die Bergstation des Teleférico. Dort ausgestiegen ging es unmittelbar zur Aussichtsplattform. Die Ankunftshöhe von etwa 4.050 Metern über NN machte zu unserem Glück keine Probleme, zu sehr schien der mittlerweile dreimonatige Aufenthalt (für mich) auf etwa 2.600 Meter über NN den Höhenunterschied nicht spürbar zu gestalten. Nachdem viele Fotos von diesen bereits überwältigenden Blicken gemacht wurden, ging es um 9:30 Uhr los, stets mit dem Ziel, den bereits sichtbaren und vermeintlich nicht allzu weit entfernten Gipfel des "Rucu Pichincha" zu erklimmen (mein erstes Vorhaben dieser Art). Die Route "1" sollte für die nächsten Stunden uns leiten.


Die Distanz von der derzeitig höchsten Bergstation "Cruz Loma" (für zivile Nutzung) auf einer Höhe von etwa 4.050 Meter bis zum Gipfel auf etwa 4.700 Meter Höhe wird von unterschiedlichen Quellen auf eine Distanz von etwa 15-19 km geschätzt. Bereits die ersten Meter machten mir klar, dass die Luft schon hier deutlich dünner sein würde, als im Ort Cumbayá. Zum Vorteil war es auf Grund des perfekten Wetters nicht allzu kalt. Im Gegenteil: die Sonneneinstrahlung auf dieser Höhe, zumal unmittelbar am Äquator, ist deutlich intensiver, als ich es mir vorstellte. Die ersten Anstiege auf dem trockenen Pfad forderten jegliche vorhandene Muskel meines Körpers immer wieder heraus. Der Puls näherte sich währendessen immer mehr einer Technobeat-Party an. Natürlich hat sich vor vielen tausend Jahren die Natur auch nicht gedacht, dass man vielleicht irgendwann mal einen Pfad hier anlegen würde und so ist der Weg keineswegs einfach nur durch einen gleichmäßigen Anstieg geprägt, sondern vielmehr durch ein parabelförmiges Auf und Ab. Nach der ersten Stunde folgte eine dringend notwendige Pause. Zu sehr hatte ich die Anstrengungen unterschätzt. Wenige Minuten später ging es aber auch schon wieder weiter. Dabei nicht nur über irgendwelche Trampelpfade, sondern auch an Felswänden entlang oder hinauf.

 


















Mit der zunehmenden Höhe und der parallelen Entwicklung der körperlichen Erschöpfung (beides lässt sich nur sehr schwierig in Einklang bringen) fiel dann nach einer weiteren Pause und etwa 2 3/4 Stunde Wanderung der letzte Anstieg zum Gipfel des Rucu Pichincha besonders schwer. Nicht nur der fehlende Sauerstoff, sondern auch die Beschaffenheit des Bodens (Asche) sorgten für unzählige Pause auf den letzten Metern.
Dann, nach nunmehr ca. 3 Stunden war es geschafft, wir waren alle zusammen oben angekommen. Viele Gesichter, die man auf dem Weg dorthin getroffen hatte, verweilten noch immer hier. Die Fortbewegung der Wolken über die Gipfelrücken glich dabei einem Spektakel. Zugleich wurde es infolgedessen deutlich kühler auf einer Höhe von etwa 4.700 Metern. Aber all die Strapazen bis dahin hatten sich gelohnt, denn einen derartigen Ausblick bekommt man in Europa lediglich auf dem Mont Blanc (4.800 Meter über NN), der allerdings auf Grund seiner Schneeschicht deutlich anstrengender zu besteigen sein dürfte. Zudem hatte man, sofern sich die wenigen Wolken verzogen hatten, einen wundervollen Blick auf die umliegenden Vulkane.


Na ja, mit der mangelnden Bewegung dort "oben" wurde es mit der Zeit auch kalt und so ging es nach etwa 30 Minuten auch schon wieder herunter. Hierbei sollte sich die eben erwähnte Asche als doch noch nützlich erweisen. Demnach glichen die ersten Meter talwärts einem Surfritt. Jeder Schritt in der Asche zog sich über mehrere Meter, so dass sich die wasserdichten Wanderstiefel an dieser Stelle auch als staubdicht und somit sinnvoll erweisen sollten.
Da die Kraft und Konzentration auf dem Weg abwärts auch nicht plötzlich mehr geworden ist, im Gegenteil und zugleich dieselben Tücken auf dem Pfad warteten, wie schon wenige Stunden zuvor in umgekehrter Richtung, half nur noch entsprechende Musik, um die Strapaze möglichst schnell hinter sich zu bringen. Die wenigen mehr oder weniger ebenen Wegstrecken waren weniger das Problem, als bergab das ganze Gewicht abzufangen und dabei nicht gleichzeitig auf dem staubigen Untergrund auszurutschen. Dieses Unterfangen wurde von mir ohne Zwischenfälle nach zwei Stunden erfolgreich gemeistert, allerdings auch nicht spurlos. Blasen an den Füßen und Knieschmerzen resultierten ebenso wie Sonnenbrand im Gesicht und Nacken aus dieser Wanderung.
Dennoch bereue ich keineswegs, diese Wanderung auf den Pichincha gemacht zu haben, egal wie anstrengend sie war. Denn dafür wurde ich nicht nur mit einem unvergesslichen Blick belohnt, sondern zugleich auch mit der Erfahrung, wie es einem bzw. mir auf einer Höhe von 4.700 Metern über NN so ergeht. Falls ihr irgendwann / -wo mal die Gelegenheit habt, eine derartige Tour zu unternehmen und ihr euch halbwegs fit fühlt, möchte ich euch einen solchen Ausflug ans Herz legen! Aber denkt daran: wie bei jedem Berg / Vulkan ist es so, dass er entweder euch bezwingt oder ihr ihn!

Cotacachi

Ehe es allerdings am vergangenen Sonntag hinauf auf den Vulkan Pichincha ging, hieß es erst einmal am Samstag ab ins Auto und Richtung Norden. Ca. zwei Stunden von Cumbayá entfernt, wenige Kilometer weiter nördlich gelegen als der Ort Otavalo, wartete der Ort Cotacachi auf unseren Besuch. Der Ort kann seine Analogie bzgl. der Namensgebung gegenüber dem Cotopaxi kaum verbergen und so handelt es sich auch bei diesem Dorf nicht nur um ein ebensolches, sondern eben auch um einen Vulkan. An dessen Basis liegt die für ihre Lederwaren bekannte Ortschaft.


Los ging es mal wieder unmittelbar nach Beendigung des Unterrichts. Zusammen mit Juan und Vicky ging es mit dem Auto gegen Mittag los. Nach der Fahrt war ein leckeres Mittagessen obligatorisch. Also ging es in das nächste Restaurant und dort warteten neben dem Steakteller einmal mehr eine ganze Tafel voll Deutsche. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es nach meinem Empfinden nicht einen Ort hier in Ecuador gibt, der nicht vor uns Deutschen sicher ist und damit meine ich nicht nur meinen Besuch.
Nach der Stärkung ging es dann unmittelbar durch die kleinen Straßen des Dorfes, stets auf der Suche nach dem Lederwarenmarkt. Doch dieser sollte unauffindbar bleiben; stattdessen bot sich uns eine ganze Straße bzw. Fußgängerzone mit unzähligen Lederwarengeschäften an. Neben Jacken, Sombreros, Portmonees, Rücksäcken und Taschen gab es selbstverständlich auch Kuhhäute zu erwerben, gemäß dem Vorbild eines Tigerfells. Unterschiede sind hierbei allerdings nicht zu übersehen: Farbe, Muster, Struktur und sicherlich die Größe differieren deutlich. Einen Tiger mit etwa vier Meter Länge, habe ich zumindest bis heute nicht gesehen respektive von gehört.


Na ja, auf Grund der vielen Läden war unser Fortbewegungstempo auch nicht sonderlich groß. Für eine Strecke von etwa 100 Metern waren so schnell 1 1/2 Stunden vergangen. Immer wieder von zahlreichen tollen Dingen begleitet, die dann vielleicht doch im nächsten Geschäft günstiger sein würden, verzögerte sich der Einkauf, so auch meiner. Denn bei derartigen Preisen konnte / durfte man nicht widerstehen.
Auf dem Rückweg ging es dann im Sonnenuntergang zum "Puertolago". Genauer gesagt zu einem Hotel an dem See. Das unscheinbare, weil nicht ausgeschilderte, wunderschöne, weil an einem See gelegen und Besondere ist, dass es nicht nur an, sondern vielmehr in einem See liegt. Die Glasfront des Restaurants nämlich ragt zu den Füßen in das Wasser hinein, so dass man während des Kaffee trinkens stets Wasser um sich herum hat. Faszinierend!


Nach dem "Wachmacher" ging es dann auch letztendlich zurück nach Cumbayá.

Montag, 31. Januar 2011

Teleférico - Pichincha (Hinweis)

Achtung: Der eigentlich Beitrag folgt später! Heute wurde zusammen der Pichincha erklommen. Ein wahnsinnig tolles Erlebnis, wenn auch erschöpfend bis an die eigenen physischen Grenzen. Daher wird morgen erst der eigentliche Beitrag hierhin seinen Weg finden. Ich hoffe, ihr versteht das, jetzt muss ich mich erstmal ausruhen!


Dienstag, 18. Januar 2011

Parque Metropolitano

Am vergangenen Sonntag ging es in voller Besetzung Richtung Quito. Ziel war dieses mal jedoch nicht der Flughafen oder gar irgendeine Shopping Mall, sondern der "Parque Metropolitano". Ebendieser stellt eine Art "grüne Lunge" der Hauptstadt dar und erstreckt sich im Osten von Quito, grenzend an Cumbayá, über eine Fläche von etwa 560 Hektar.
Dort angekommen, bemerkte ich zunächst den noch stärker spürbaren Temperaturgradienten zwischen Bewölkung und wolkenlosem Himmel. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: auf einer Höhe von etwa 2.900 Metern schafft es die Sonne bei direkter Einstrahlung nicht, die höhenbedingt kältere Luft derartig zu erwärmen, dass sie einem selbst dann noch angenehm erscheint, sobald ein Wolkenband sich vor die übergroße Energiequelle schiebt. Kurzum: Solange die Sonne in dem Park schien, war es angenehm, teilweise schon etwas zu warm. Sofern sich jedoch Wolken vor die Sonne schoben, wurde es schnell kühl. Egal, das sollte uns nicht davon abhalten, unser geplantes Picknick mit der ganzen Besetzung der Schule steigen zu lassen. Während drei Leute den Hinweg im Auto des Chefs bestritten, entschied ich mich für die Anreise per Bus / Taxi. Nicht nur, dass man immer wieder eine tolle Aussicht genießen kann und darüber hinaus noch witzigere Dinge im Bus erlebt, sondern auch die Tatsache, dass an der Busstation stets der "Yogoso"-Straßenverkäufer (Yogoso = Jogurteis, ähnlich  Wassereis, am Besten als "Pera Manzana") steht, überzeugten mich zu dieser Entscheidung. Nach der Taxifahrt also am Parkeingang angekommen, fiel mir sofort die Unmenge an parkenden Autos auf. Doch im Park davon nahezu keine Spur. Die enorme Größe sorgte dafür, dass sich die Menschenmassen auf dem Grünareal verliefen. Zahlreiche sportliche Möglichkeiten (Fahrrad fahren, Basketball, Volleyball, Fußball etc.), gerade bei dem sommerlichen Wetter, ließen meine Stimmung steigen. Unser Weg führte allerdings ein paar hundert Meter weiter durch den Park, fernab vom Trubel. An einem Aussichtspunkt angekommen, schlugen wir unsere Zelte, äh, natürlich Decken auf und packten alle mitgebrachten Picknick-Utensilien aus. Los ging's!


Nach dem leckeren Schlemmen und der obligatorischen Pause zur Regeneration vom vielen Essen ging es dann sportlich weiter: Tasche auf - Frisbee raus - den richtigen Platz gesucht (am Hang, noch interessanter als normales Frisbee!) und schon flog der Teller durch die Luft. Na ja gut, mehr oder weniger kontrolliert vom Werfer. Denn sobald am Hang eine Luftböe die kleine Plastikscheibe erblickte, veränderte sich die Flugbahn in ungeahnter / -kontrollierbarer Weise. Egal, der Spaß kam nichtsdestotrotz absolut nicht zu kurz und so sorgte der eine oder andere Hechtsprung für große Stimmung! Allerdings kann ich euch jetzt sagen, dass diese Art vom Sport am Hang und insbesondere in dieser Höhe umso anstrengender ist, also war nach einer knappen 3/4 Stunde auch schon wieder Schluss.
Um den Puls etwas zu beruhigen ging es dann zu dem Aussichtspunkt, natürlich mit der Kamera. Ein einfach großartiger Blick Richtung Osten. Und was liegt im Osten? Richtig, Cumbayá! Also schnell das "Reservorio" gesucht und einfach mal "blind" mit Achtung: Digitalzoom (schrecklich, dieses Wort!) in die Pixelmasse fotografiert. Tatsächlich, selbst aus dieser Entfernung war das Schulgebäude der Europaschule unmittelbar in Verlängerung des Sammelbeckens zu erkennen.
Na ja, nach einigen Fotos mehr und der langsam untergehenden Sonne wurde es auch kühl und so beschlossen wir die Heimreise anzutreten. Nicht nur um einen wunderschönen Ort in der Hauptstadt Quito reicher, sondern auch mit der Vergewisserung, sicherlich nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein!


Montag, 10. Januar 2011

0° - aber von Kälte keine Spur & "Touch Down"

Wie kann es sein, dass man sich bei 0° draußen an der frischen Luft befindet, die Sonne scheint und man im T-Shirt angenehm durch die Landschaft laufen kann? Richtig, wir sprechen gar nicht über Celsius oder Fahrenheit, sondern über die Breitengraden und in diesem Fall über den größten Breitengrad der Welt - den Äquator!
Am gestrigen Samstag stand unter anderem das Äquatormonument "Mitad del Mundo" als eines der letzten Orte meines "Reise-Wunschzettels" für Ecuador auf dem Tagesprogramm. Wie so oft ging es zunächst nach dem Unterricht mit dem Bus nach Quito um von dort aus nach einer weiteren Taxifahrt mit einem Metrobus etwas mehr als 20 Kilometer in nördlicher Richtung zum Denkmal zu fahren. Dort angekommen, mussten ich das erste Mal spüren, dass es in Quito wärmer war als in Cumbayá. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: dort, wo keine Wolken sind, ist es am Tag bei direkter Sonneneinstrahlung eben wärmer. Nun gut, zwar waren wir mit Jacke und Schal für den Tag in Quito viel zu warm ausgerüstet, aber wir hatten ja für später noch mehr vor - dazu folgend mehr!
Auf Grund des Wochenendes sollte die "Mitte der Welt" von zahlreichen Touristen, aber auch Einheimischen besucht sein. Jeder, der den Weg nach Ecuador sucht, möchte ja schließlich von sich sagen können, dass er mit einem Bein auf der nördlichen und mit dem Anderen auf der südlichen Hemisphäre gestanden hat. Das wohl mit berühmteste Schild in gesamt Ecuador (siehe Bild) wird darum auch im fliegenden Wechsel von den Besuchern besetzt - natürlich auch von mir!


Unmittelbar unter sich die Streckenhalbierende der Meridiane. Im Rücken ein etwa 30 Meter hohes Monument, dass "direkt" auf dem Äquator steht und die jeweiligen Himmelsrichtungen anzeigt, im rechten Winkel demnach Norden und Süden markiert. Wenn man schon mal an so einem besonderen Punkt ist, möchte man selbstverständlich auch schöne Erinnerungen haben, so dass erst einmal ein ausgiebiges "Fotoshooting" folgte.


Der Ort verlor allerdings an Bedeutung für mich, als ich im Vorfeld nachgelesen hatte, dass die im Boden eingelassene gelbe Linie nicht exakt den Äquator wiederspiegelt - warum? 1736 wurde von den Franzosen und Ecuatorianern der 0. Breitengrad vermessen. An dieser Stelle sollte er sein. Neueste GPS-unterstützte Vermessungen haben allerdings bewiesen, dass das Monument um 180 Meter (!) an der falschen Stelle steht. Doch relativ viel. Diese Abweichung ist insbesondere dann lächerlich, wenn man sich überlegt, dass Jahrhunderte zuvor der exakte Punkt bereits festgestellt wurde und zwar von den Inkas. An der genauen "Mitte" nämlich hat man nach Ausgrabungen ein Monument aus der Inka-Epoche gefunden. Warum dann also viele hundert Jahre so eine Fehlmessung? - die Antwort darauf wissen wohl nur die Franzosen selbst! ;-) Nun gut, nur wenige Menschen sind eben über diese Tatsache informiert, so dass man natürlich die Fünfe gerade sein lassen kann und trotzdem den scheinbaren Mittelpunkt der Erde als solchen anerkennen kann. Warum immer so pingelig sein.
Nach den vielen Fotos ging es dann noch in das anschließende "Touristendorf". Neben unzähligen Souveniergeschäften und Restaurants ist hier auch ein kleiner Platz mit einer Bühne zu finden. Die Atmosphäre hier ähnelt einer allsontäglichen Belustigung für Rentnerinnen und Rentner in irgendeinem Kurort. Uns gefiel es bei etwas Livemusik einen Kaffee in der prallen Sonne zu genießen und irgendwie muss man sich ja schon mal auf die Jahre im hohen Alter einstimmen ;-)


Am Nachmittag ging es dann zum zweiten Teil des Tageswerkes zurück in die Stadt. Das Ziel war der Flughafen Quitos inmitten der Stadt! Nach einem größeren Spaziergang durch die scheinbar ersten geschlossenen Wohnsiedlungen im Westen Quitos kamen wir dem abgesperrten Flughafengelände immer näher. Wenn man einen so "besonderen" Flughafen vor der Haustür hat, wollte ich schließlich einmal miterleben, wie die Flugzeuge im Sinkflug über die Häuserlandschaft und meinen Kopf den kleinen Flughafen ansteuern. Jetzt sollte sich auch auszahlen, dass wir alle so warm von Cumbayá angereist waren. Das offene Flugfeld sorgte für einen ständigen leichten Wind, der mit untergehender Sonne sehr kalt wurde.


Dort angekommen positionierten wir uns in Verlängerung etwa 400 Meter von der Landebahn entfernt, so dass die Flugzeuge garantiert über unsere Köpfe hinweg fliegen würden. Und tatsächlich: gleich das erste Flugzeug war von allen späteren das Extremste. Das gleiche Flugzeug, mit dem auch ich meinen interkontinentalen Flug bestritten habe (Airbus A340-300 [vierstrahlig] von Iberia) landete unmittelbar nach unserem Eintreffen. Da die Landebahn des "Aeropuerto Internacional Mariscal Sucre", kurz UIO, für derartige Flugzeuge nicht gerade großzügig bemessen ist, versuchte der Pilot der "Maschine" so früh wie möglich den "Touch Down" auf der Landebahn zu positionieren, um so möglichst viel Bremsweg zu haben (der Rückschub bei der Landung meiner Hinreise war ja derart heftig, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe). Demzufolge überflog der Pilot nur wenige Meter über dem Zaun auch unsere Köpfe. Doch nicht nur das war mehr als beeindruckend, sondern auch die wenigen Sekunden zuvor. Denn vom Lichtpunkt am Himmel (Triebwerkslichter) bis zum Zeitpunkt, an dem man sich reflexartig vor der Maschine duckt vergeht nur wenig Zeit und die Augen werden währendies immer größer. An dieser Stelle sei angemerkt, dass man sich vielleicht etwas mehr für Flugzeuge interessieren muss, damit solche Emotionen aufkommen.


Von der Lautstärke möchte ich gar nicht weiter sprechen, sonderlich gesundheitsförderlich ist die vermutlich nicht! Na ja, so haben wir dann mehrere Flugzeuge bei ihrer Landung beobachtet - manche größer, manche kleiner. Doch auch die zwischenzeitlichen Starts sorgten für große Gesichter. Wann steht man schon mal unmittelbar hinter einem Flugzeug auf dessen Weg zum "Airborne" - stürmisch beschreibt es aber sehr gut.
Nachdem es uns dann irgendwann zu kalt wurde, suchten wir uns das nächste Taxi und steuerten den Heimweg an. Ein langer Tag mit vielen Eindrücken und Fotos ging so zu Ende.

Sonntag, 9. Januar 2011

Silvester 2010

Natürlich wurde auch hier das Jahresende zelebriert - wenn auch etwas anders. Als Erstes wurde hier selbstverständlich zur deutschen Mitternachtszeit, also um 18 Uhr equatorianischer Zeit angestoßen. Jahrelange Gewohnheiten müssen ja weiter Bestand haben. Zunächst wurde das erste Neujahr mit einheimischen Getränken und Hopfenkaltschalen begrüßt. Nach etwas Verweilzeit daheim, machten wir uns dann irgendwann auf den Weg Richtung Quito - immerhin musste in der Hauptstadt ja etwas los sein. Dort angekommen, mussten die noch etwa 2 1/2 Stunden bis zur hiesigen Mitternacht und dem Wechsel ins Jahr 2011 überbrückt werden. Das geht ja doch meist sehr schnell, zumal, wenn man sich im Touristenviertel "Mariscal" befindet. Um kurz vor Mitternacht begaben wir uns dann alle zum "Plaza Mariscal Foch".


Allerdings warteten hier anstelle eines großen gigantischen Feuerwerkes (Pyrotechnik ist hier sehr kostspielig) ein haufen selbstgebastelter lebensgroßer Puppen, gestapelt auf einem Berg, auf uns. Das ist hier die Tradition: Jede Person / Familie baut zum Jahresende eine solche Puppe, kleidet sie an (oder für die Oberschicht - die geht einfach in ein Geschäft und kauft sich eine solche) und platziert in ebendieser einen Zettel mit drei Dingen, die im alten Jahr bleiben sollen. Wenn dann das neue Jahr beginnt, werden die Puppen verbrannt und die jeweiligen Personen springen über den lodernden Haufen. So auch ich!
Na ja, wie das dann eben so ist, kann man das Jahr ja nicht ohne eine entsprechende Feierlichkeit begrüßend zelebrieren. Derartiges haben selbstverständlich auch wir hier gemacht ehe es dann irgendwann wieder nach Hause ging.