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Donnerstag, 10. März 2011

Countdown Rückreise

Created by OnePlusYou

Karnevalsurlaub in Cuenca

Wie wohl überall in Lateinamerika bildet Karneval einen Ausnahmezustand. In Deutschland würde man hierzu die fünfte Jahreszeit anführen, hier in Ecuador ist es die Dritte! Deswegen liegt es nah, dass hierfür seperate Ferien eingeführt wurden. Diese gingen vom vergangenen Freitag bis zum Dienstag. Jedoch beginnt die ganze Kuriosität schon nahezu eine Woche vorher und die Spuren reichen über den Dienstag heraus. Vergleichbar  mit Deutschland ist die Art diese Jahreszeit zu zelebrieren allerdings nicht. Würde man hier einem Ecuadorianer sagen, er solle mit "dulces" aus Autos oder von Wagen werfen, blickte man vermutlich nur in erstaunte Gesichter. Hier ist es stattdessen üblich, sich mit Wasserschläuchen gegenseitig nass zu spritzen, mit Eiern und Mehl sein gegenüber zu verunstalten und zur Krönung gibt es dann noch Sprüschaum mit Geschmacksrichtung in XXL-Dosen. Also alles in allem eine große Sudelei.


Während drei Praktikantinnen während der Kurzferien den Weg an die Küste respektive Montañita aufsuchten, ging es für die zwei Neuankömmlinge nach Baños (siehe Bericht). Beide Orte sollten sich allerdings mehr als überfüllt zeigen. Ich hingegen suchte mit Juan (Chef) und Vicky (Chefin) den drittgrößten Ort Ecuadors Cuenca auf. Da eine Auto- oder gar Busfahrt mehr als acht Stunden dauert, entschieden wir uns für die schnellere Alternative per Flugzeug - damit war die Strecke in guten 45 Minuten zurückgelegt. Der kleine Airbus A318 von LAN brachte uns am Samstag Mittag sicher Richtung Süden - schade allerdings, dass das Wetter derartig bewölkt war, dass man auf dem Flug keine Chance hatte, trotz Fensterplatz die zahlreichen Vulkane des Landes aus großer Höhe zu erblicken.
Nach der Ankunft am Flughafen von Cuenca wurden wir herzlich von Juans Vater und seinem jüngsten Bruder empfangen. Richtig, denn es handelt sich zugleich um seinen Heimatort. Der Fahrt zu deren Penthauswohnung folgte ein ausgiebiges und super leckeres Mittagessen (am späten Nachmittag) mit der gesamten Familie von Juan. Die Menge des Essens wir umso deutlicher, wenn man hinzufügt, dass das nächste Essen erst um 21:30 Uhr folgte. Selbst nach mittlerweile über vier Monaten Aufenthalt hier in Ecuador, wurde ich einmal mehr mit einer für mich unbekannten Speise überrascht. Als Vorspeise gab es eine "Pommessuppe". Hört sich komisch an, schmeckt aber sehr gut, wie das gesamte Essen.


Sicherlich bestand der Urlaub in Cuenca nicht nur aus Essen, obwohl diese Aktivität einen Großteil ausmachte (den unglaublich günstigen Preisen sei dank). Nach einer Cocktailtour am ersten Abend (leider verregnet), folgte am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein eine Sightseeingtour durch das UNESCO Weltkulturerbe - richtig, denn dazu zählt Cuenca seit 1999. Und diese Entscheidung ist meiner Meinung nach absolut berechtigt. Zwar ist die Stadt gar nicht mal so groß (obwohl eben die drittgrößte Stadt Ecuadors; zeigt, wie klein die nächsten Orte dann sein müssen), aber generell sehr kompakt von der Physiognomie und wunderschön. Viele sehr alte und gut erhaltene Häuser reihen sich nebst zahlreichen Kirchen und Kathedralen, begleitet entweder von Parks oder voneinander getrennt durch einen Fluss. Zu den sonstigen Aktivitäten gehörten Kuchen essen, Kaffee trinken, sogar eine Kutschfahrt oder kleine Shoppingtouren. Die gesamten Tage waren stets von der Herzlichkeit der Familie begleitet. Nicht nur das wir kostenlos in der Wohnung von Juans Bruder Santiago unterkommen konnten, sondern auch die Bereitschaft und Engagement, mir möglichst viel von der Stadt und der Umgebung zu zeigen sowie mich überdies an der Familie teilhaben zu lassen. Jegliche Wünsche von mir mussten irgendwie versucht werden umzusetzen - egal, ob man hierfür noch so weit mit dem Auto fahren müsste. Da die zahlreichen Hutfabriken und Panama-Hut-Läden auf Grund der Karnevalssituation in Cuenca geschlossen hatten, ging es zum Beispiel für den Erwerb 45 Minuten in den Nachbarort "Chordelég". Nicht nur das hier die gleichen Hüte deutlich günstiger sind (da der Name eine der drei großen Fabriken fehlt), sondern auch, dass übrige Artikel gleiche Tendenzen zeigten, überzeugte mich davon, hier etwas mehr zuzuschlagen (mittlerweile warten so viele Dinge auf den Import, dass ich nicht einmal mehr weiß, ob sie alle in den Koffer und Rucksack passen!). Nach etwa einer Stunde ging es auch schon wieder zurück. Selbstverständlich war auch in diesem Teil des Landes die Karnevalszeit nicht übersehbar, so dass wegen der Straßenfeiereien und eines Verkehrsunfalls (wohlmöglich betrunken oder sowas) der Rückweg über vier Stunden plötzlich dauerte - anstrengend.


Wie über die vier Tage üblich, waren die vier Tage stets von diversen Café-, Restaurant- und Barbesuchen dominiert. Man stelle sich vor, dass man mit acht Leuten in einem edlen Restaurant (mit Silberbesteck etc.) Essen (Rinderfilet mit Gratin) geht und mit Getränken insgesamt nicht mehr als ca. 60 USD bezahlt - da muss man einfach ausgiebig komsumieren.
Doch wie erwähnt, wurde nicht nur den ganzen Tag gegessen, sondern es stand überdies ein Besuch des Nationalparks "El Cajas" auf dem Programm. Ebendieser 29.000 ha große geschützte Park umfasst mehr als 240 Lagunen, die in kleinen Schachteln ("cajas") entlang der Straße liegen. Dass der Anblick der zahlreichen Seen und "Pfützen" in der typisch ecuadorianischen Landschaft wieder einmal großartig war, gilt es nicht näher zu betonen, sondern als obligatorisch anzunehmen. Aufpassen musste man neben den Felsbrocken auf der kurvigen Straße auch auf zahlreiche Lamas und Alpakas, die vereinzelt oder in Kleingruppen auf der Straße spazieren gingen. In der Ferne stets der Blick auf die "Teufelsnase", einem herausragenden Felsen in Form einer liegenden Nase, der in Manier des Polarexpresses per Zug (der einzige Zug in Ecuador und im Grunde nur für Touristen) spiralförmig zu bereisen ist.


Na ja, nach einem Dankeschön-Abendessen und einem ausgiebigen Frühstück mit Kuchen anstatt Crêpe oder dergleichen am nächsten Morgen (weil das Restaurant hoffnungslos überfordert war mit zwei Kellnern mussten Alternativen her), ging es nach der Verabschiedung von der Familie Juans per LAN-Flugservice am Nachmittag zurück nach Quito. Leider konnte man auf Grund der wolkigen Wetterlage die Vulkane fast gar nicht sehen, d.h. einzig der Cotopaxi ragte ein wenig durch die Wolkendecke hervor. Nach Guayaquil konnte ich in den drei Tagen so die für mich zweitschönste Stadt Ecuadors kennenlernen und kann sie jedem nur ans Herz legen, der, wie die UNESCO ebenfalls festgestellt und zertifiziert hat, eine wunderschöne kleine und schnell vertrauliche Stadt erleben möchte und vielleicht von der Hektik aus den zwei Metropolen einen ruhigen Zufluchtsort sucht.

Montag, 28. Februar 2011

Radeln und Surfen

Endlich ist mal wieder etwas passiert, über das es sich lohnt zu berichten. Ihr habt sicherlich gemerkt, dass in den letzten Wochen die Einträge hier stagniert sind, aber sonderlich viel war eben nicht passiert. Jetzt aber:
Nachdem am gestrigen Tag bei strahlendem Sonnenschein das nächste Abschiedsgrillen, dieses mal für Elisa, stattgefunden hat, machten wir uns am heutigen Sonntag Morgen um 10:00 Uhr mit gemieteten Fahrrädern (5 USD / Tag) auf, um eine im Ort Cumbayá beginnende 20 Kilometer lange Route abzufahren. Das Wetter sollte auch heute keine Wünsche offen lassen und so ging es mit vielen gleich gesinnten Leuten auf die teilweise sehr unwegige Strecke. Da ich die ersten zwei Kilometer bereits einmal am Tag vor einigen Wochen abgelaufen bin, wusste ich, was mich zumindest auf den ersten Metern erwarten würde. Krassere Kontrastierungen kann man wohl kaum finden, wenn man auf der einen Seite der Mauer Slums findet, von denen man zuvor nie etwas hier in Cumbayá gehört hat und dem unmittelbar gegenüber gleich mehrere Villen findet. Und damit meine ich Villen!


Nach einer kurzen Eingewöhnugszeit an das Rad ging es immer schneller die Schienen entlang - richtig, denn die heutige Route bildet die alte Verkehrslinie der nicht mehr aktiven Straßenbahn. Daher kommt man auch an vielen kleinen Bahnhöfen entlang.
Bereits die ersten Meter waren immer wieder von Unterbrechungen bestimmt. Zu schön war die Aussicht, der man gerade auf seinem Zweirad konfrontiert wurde. Um viele dieser schönen Orte nicht zu vergessen bzw. um sie mit euch teilen zu können, lag es auf der Hand, dass schnell der Fotoapparat hervorgeholt wurde.
Besonders sehenswert war die große Schlucht, die auf dem gesamten Weg parallel zur Route zu verfolgen war. Aus der Tiefe drang das Rauschen des wild mäandrierenden Rio Chiche hervor, der uns am Kilometer 15 auch noch zu einer Erfrischung bereit stand. Auf dem Weg sonst waren zahlreiche pompöse Villen mit riesigen Gärten und Poolanlagen zu sehen, die sich in die ruhige Landschaft ringsherum bestens integrierten - wenn dort in den Häusern nicht der perfekte Ort wäre, um abzuschalten, dann wüsste ich momentan keinen anderen.


Das einerseits strahlende Wetter forderte viel von uns ab und so war es nicht weiter verwunderlich, dass in regelmäßigen Abständen nicht nur Pausen eingelegt (u.a. auch, um sich als Gruppe wieder zu sammeln), sondern auch die aus ökonomischer Sicht respektive hinsichtlich der harten und weichen Standortfaktoren bestens am Pfadesrand platzierten kleinen Geschäfte aufgesucht wurden, um irgendeine Form der Erfrischung zu konsumieren.
Nach etwa 1 1/2 Stunden waren wir dann an dem bereits erwähnten Rio Chiche angekommen. Kurzerhand ging am Weg eine kleiner Pfad rechts ab, der direkt zum Ufer des Flusses führen sollte. Dort rasteten wir für eine Weile, sowohl, um uns zu erholen, als auch die herrliche Landschaft zu genießen. Das obligatorische Gruppenfoto durfte auch hier selbstverständlich nicht fehlen. Aylin und ich erkundeten die Umgebung dann noch etwas weiter und wateten durch den doch sehr kalten Fluss auf eine Mittelinsel, die sich aus Geschiebematerial und dessen Sedimentation über wohlmöglich viele Jahrzehnte gebildet hatte. Trotz der Kälte, die an den Beinen über die Zeit sogar schmerzhaft wurde, tat uns diese Erfrischung mehr als gut. Einmal mehr hatten wir einen wunderschönen Fleck des Landes entdeckt. Nach einiger Zeit sollte es jedoch auch hier weitergehen. Also schnel waren unsere klapprigen Drahtesel geschnappt und die Fahrt ging weiter. Ebenfalls beeindruckend waren die verschiedenen Tunnel auf dem Weg, die mal kürzer und mal länger nie beleuchtet waren. So fuhren wir wie an einer Leine gezogen hintereinander blind über den staubigen Boden, stets in der Hoffnung, dass nicht irgendwo unerwartet ein Schlagloch auf unseren Vorderreifen lauern würde und es infolge eines unfreiwilligen Absteigens in einem Massensturz resultieren würde.











 








Am vorletzten Stationspunkt bei Kilometer 17 angekommen, musste zwingend wegen des anstrengend Bergauffahrens eine längere Pause eingelegt werden. Dort sprach uns "Jorje" an, ein freundlicher Ecuadorianer, der laut seiner Auskunft allerdings lange Zeit in "Nueva York" gelebt hat. Nach dem üblichen Smalltalk (woher kommt man, wie lange ist man in Ecuador, was macht man hier etc.) wies er uns darauf, dass die nächsten drei Kilometer bis zum Ende sehr langweilig wären, den schönsten Teil hätten wir bereits gesehen. Da sich unsere Lust, die bis hierher 17 Kilometer noch einmal zu bestreiten, sehr in Grenzen hielt, fragten wir, ob uns ein Pick-Up organisiert werden könnte. Jorje zückte kurzerhand sein Handy und rief den Fahrradvermieter (der Einzige dort, ist daher sehr bekannt) in Cumbayá an. Dieser hatte leider keine Fahrmöglichkeit bereit, um uns abzuholen. Nun war das Engagement von Jorje noch mehr geweckt und er telefoniert wie wild herum. Nach wenigen Minuten teilte er uns erfreulich mit, dass ein Freund von ihm in wenigen Minuten mit einem Truck vorbeikäme, um uns nach Cumbayá zu bringen. Während der Wartezeit und dem fortwährenden Gespräch mit dem Ecuadorianer, wurden meine gesamten Knöchel von Moskitos attakiert (das bedeutet nicht nur ein einfacher Stich, sondern so krass, dass Blut aus dem Stich hinausläuft!). Nach etwa 20 Minuten kam tatsächlich ein Truck, na ja, eher ein großer Transporter mit hoher Brüstung ringsherum. Schnell waren die Fahrräder und wir aufgeladen und so ging die etwa 30-minütige Fahrt zurück nach Cumbayá. Stets auf der Ladefläche hinten am "surfen"!


Wir bedankten uns mit etwas Kleingeld für diesen äußerst freundilchen Abhol- / Bringservice und waren froh, nach über vier Stunden wieder zu Hause zu sein.

Montag, 14. Februar 2011

Bildung betrifft jeden

Vielleicht habt ihr es schon gehört. Es wurde eine Umfrage der Bundesregierung ins Leben gerufen zur Meinungsabgabe hinsichtlich der Bildungssituation in Deutschland. Da Bildung aus meiner Sicht jeden etwas angeht, bitte ich euch darum, an der Umfrage teilzunehmen. Den Weg zur Umfrage findet ihr über diesen Link.

Montag, 7. Februar 2011

Quilotoa & Cotopaxi

Am gestrigen Samstag ging es also gleich mit den großen Bergen weiter! Direkt nach dem Unterrichtsende, das zum früheren Start extra umorganisiert wurde, ging es um 10 Uhr mit dem Taxi zum Bus-Terminal Quitumba im Süden Quitos. Etwas kuschelig wurde die rund 45-minütige Fahrt mit vier Leuten auf der Rückbank zurückgelegt. Leider sollte das Wetter dieses gesamte Wochenende nicht mitspielen, so dass die ansonsten wohl wunderschöne Aussicht desöfteren durch tief "hängende" Wolken verhindert wurde. Kurz vor der Ankunft im süden der Hauptstadt zeigte der Verkehr Quitos einmal mehr seine Schattenseiten in Form eines Unfalls und einem schwerstverletzten Motorradfahrer auf.
Unmittelbar angekommen, ging es gleich mit dem nächsten Bus weiter Richtung "Latacunga". Der ansonsten nur für seine Nähe zum Cotopaxi und für sein Stadtfest "Mama-Negra" bekannte Ort diente als Umsteigeoption auf dem Weg zur Caldera und zum Kratersee "Quilotoa". Der See hat einen Durchmesser von etwa 3 km und liegt auf einer Höhe von rund 3.900 Metern über NN. Bevor es allerdings wohl zum berühmtesten See Ecuadors ging, führte der Weg über das kleine Dorf Zumbahua. Von dort aus ging es dann für einige Dollar mit einem Pick-Up 30 Minuten bergauf zum besagten See. Wie bereits erwähnt, sollte das Wetter nicht mitspielen. Dort gegen 16 Uhr angekommen (der Zeitunterschied von der Abfahrt in Cumbayá und Ankunft an der Caldera zeigt, wie viel Zeit in Verkehrsmitteln verbracht wurde), war der Blick auf den See durch ein dichtes Wolkenband versperrt, dass sich leider nur teilweise auflösen wollte.


Im nachhinein wäre es ausreichend gewesen, sich den Kratersee lediglich vom Vulkanrand aus anzusehen. Aber irgendwie hatte uns das vergangene Wochenende dermaßen motiviert, dass wir den Weg hinab zum "Strand" des Gewässers auf uns genommen haben - wenig sinnvoll, wie sich herausstellen sollte. Bergab ist bekanntlich leichter als der Wiederaufstieg. So ging es in gut einer Stunde über Felsen und Vulkanasche hinunter. Dort angekommen, sollte auch gleich ein Regenschauer unser fröhliches Verweilen unterbrechen. Schutz fand sich schnell bei dem einzigen Haus (Hostel) auf Wasserniveau. Nach rund fünf Minuten des Verschnaufens und Wartens, dass der Regen, so schnell wie er gekommen ist, auch wieder aufhören mag, ging es also wieder bergauf, in der Annahme, dass unser Taxifahrer dort auf uns warten würde. Der Aufsteig durch das größtenteils lose bzw. weiche Bodenmaterial sollte sich anstrengender gestalten, als im Vorfeld vermutet und glich somit etwas dem letzten Wochenende auf dem Pichincha, einziger Vorteil, die krasse Sonneneinstrahlung fehlte, dafür aber auch die Aussicht! Na ja, mit mehreren Pausen stand ich dann nach gut 1 1/2 Stunden wieder an dem Ausgangspunkt. Allerdings während des Weges immer wieder davon verblüft, wie scheinbar mühelos und mehrmals die indigenen Kinder und (älteren) Erwachsenen den Weg hoch und wieder runter auf sich nahmen. Das zum Thema Training.
Also wir an der Caldera alle wieder versammelt waren, ein heißer Kakao bei den kühlen Temperaturen für Aufwärmung sorgte, konnten wir zugleich unseren Taxifahrer von der Hinfahrt nicht mehr sehen. Wie leider "üblich", denken ebendiese, sie könnten die vermeidlich "naiven" Ausländer über's Ohr hauen. Na ja, uns zum Glück nicht, weil wir die Anzahlung für den Rückweg grundsätzlich ablehnten. Zudem sollte sich der Rückweg mit einem zufällig dort vorbeifahrenen Bus deutlich günstiger gestalten, als mit einem privaten Chauffeur. Da es mittlerweile schon 18:30 und somit dunkel war, lag unser einzige Wunsch derzeitig nur noch in einem zeitnahen Bus zurück nach Latacunga, um zum einen aus der Kälte zu kommen und zum anderen eine baldige Unterkunftsmöglichkeit zu finden. Ein Glück sollte das unmittelbar klappen, so dass wir um 20:30 schon wieder in Latacunga waren. Nach einer kurzen Orientierungsphase ging es dann zu unserer ersten Wahl aus den verschiedenen Reiseführern, dem "Hotel Central". Es sollte seinem Namen wirklich alle Ehre bereiten. Nicht nur das es mit 8 USD / Nacht / Person günstig war, sondern darüber hinaus sauber, eben zentral  war und mit großen Zimmer aufwartete. Zu positiven Abrundung des Ganzen bestellten wir am Morgen für 2 USD noch ein Frühstück dazu, dass in einer Art privatem Wohnzimmer serviert wurde. Das Personal war überaus zuvorkommend und hilfreich (was Tipps anbelangte). So bekamen wir für das Geld nicht nur ein reichhaltiges Frühstück, sondern zum Abschied auch noch jeder ein kleines Geschenk (Ketten für die Damen, ich eine bedingt schöne Mütze für den kalten Aufstieg auf den Cotopaxi).


Apropos Cotopaxi: kurz darauf ging es mit dem Bus zu ebendiesem. Dort nach einer guten halben Stunde angekommen, empfing uns unmittelbar ein freundlicher Herr, der uns zunächst über einen möglichen Aufstieg informierte und uns dann anbot, uns per Pick-Up (wie auch sonst) zum "parqueadero" zu bringen (dem Parkplatz unmittelbar vor der Schutzhütte). Die "Auffahrt" sollte pro Person 10 USD kosten (angemessen laut Reiseführer). Zunächst etwas stutzig von diesem hohen Preis, gerade was Verkehrsmittel angeht, sollte sich dieser im Nachhinein als äußerst angemessen erweisen. Denn die etwa einstündige Fahrt von rund 3.200 Meter hinauf auf 4.500 Meter über NN verlief über äußerst unwegsame Pfade, teils durch Flüsse, teils über Felsbrocken. Insbesondere auf dem Rückweg waren wir dieser dann doch bevorzugten Wahl sehr dankbar, denn der Schneehagel hätte einen kompletten Abstieg äußerst unangenehm gemacht. Nun gut, auf dem Weg hinauf sah man nicht nur eine kleine Lagune, die infolge des vortägigen Besuchs allerdings äußerst minimalistisch erschien, sondern ebenfalls zahlreiche am Wegesrand stehende überhitzte Autos. Derartiges sollte uns zum Glück nicht passieren. Dennoch sollte auch an diesem Tag das Wetter bescheiden bleiben und so sah man vom Mustervulkan "Cotopaxi" nicht annähernd eine Silhouette durch das tiefe Wolkenmeer. Egal, geplant war geplant, also ging es hinauf! Zumal die gestrige Wanderung keine Spuren in Form von Muskelkater hinterließ - demnach waren keine Ausreden vorhanden, die allerdings in Anbetracht eines Cotopaxis eh nur geringe Gültigkeit gefunden hätten. Nachdem ich mich kurz zuvor noch gestärkt hatte, sollte sich der Aufstieg vom Parkplatz über etwas mehr als 300 Meter hinauf zur Schutzhütte durch einmal mehr Vulkanasche einfacher gestalten, als vermutet. Die Atemnot bzw. das Japsen nach Luft viel trotz der Höhe geringer aus, als auf dem Pichincha - vermutlich, weil die krasse Sonneneinstrahlung fehlte.


So ging es etwa 40 Minuten durch eine dichte Nebelwand hinauf; dort oben auf 4.810 Metern angekommen, setzte auch unmittelbar Hagel ein. Zu allem Unglück, weniger für mich, als für die Damen der Runde, waren die Toiletten nicht benutzbar, weil die Leitungen eingefroren waren. Nach einem warmen Kakao als Stärkung, machte ich mich noch einige Meter weiter durch den Schnee hinauf. Schwieriger als erwartet. Denn der auf dem ersten Blick trittfeste Schnee / Hagel stellte sich nach der entgültigen Gewichtsverlagerung als sehr tief heraus, so dass ich des Öfteren über Knietiefe hinaus versank. Na ja, nach diesem Auflug, ging es zurück in die Schutzhütte, wo sich unterdessen mehrere Deutsche und Deutschsprachige aufhielten - wie gesagt, man findet in Gesamtecuador wohl kaum einen Ort ohne ein einheimisches Wort zu hören.


Kurze Zeit später machten wir uns auf den Abstieg, ein obligatorisches Gruppenfoto durfte wie in Latacunga auch hier nicht fehlen, zumal es der höchste Punkt unseres Ecuadoraufenthaltes sein würde. Unten am Parkplatz angekommen, wartete glücklicherweise der Taximann auf uns. Allerdings hatte der einsetzende Hagel nicht nur die Landschaft gänzlich erweißen lassen, sondern auch das Auto etwas unterkühlt, so dass es erst nicht starten wollte. Jetzt sollte sich das Geld für die jeweils einstündige Hin- und Rückreise insbesondere auszahlen. Auf dem Weg hinab klarte sich der Himmel etwas mehr auf, so dass man nun zumindest etwas des Stratovulkans sehen konnte. Unten am Ausgangspunkt angekommen, folgte unmittelbar die einstündige Rückreise mit dem Bus nach Quitumbe und von dort aus mit dem Taxi eine weitere 3/4 Stunde zurück nach Cumbayá. Wieder einmal um viele Impressionen von zwei tollen Sehenswürdigkeiten reicher.

Dienstag, 1. Februar 2011

Teleférico - Pichincha

Schon lange bestand das Vorhaben mit der Seilbahn "Teleférico" auf den Vulkan Pichincha zu fahren. Allerdings ließ das oftmals schlechte Wetter eine Fahrt auf den Heimatvulkan Quitos sinnlos erscheinen. Nachdem das Projekt schon viele Male gescheitert war, sollten auch am vergangenen Wochenende die Bedingungen nicht besser sein. Nach der Rückkehr am Samstag Abend aus Cotacachi war Quito vom Dach der Schule aus nicht annähernd zu erblicken - zu dicht war die Wolkendecke. Infolgedessen gingen die Überlegungen einmal mehr in die Richtung, die Besteigung des Pichinchas zu verschieben. Nur leider sollten die nächsten gemeinsamen Wochenenden ebenfalls verplant sein.
Nun gut, am nächsten Morgen klingelte trotz allem der Wecker im Haus früh. Zum Glück, denn das Wetter zeigte sich so klar wie selten zuvor und so waren bereits vom Dach aus nicht nur die Teleférico-Bergstation, sondern auch der nahe gelegene Vulkan "Corazón" zu sehen. Voller Motivation ging es um halb 8 Uhr zum Terminal "Rio Coca" nach Quito, um von dort aus mit dem Taxi zur Talstation des Teleférico zu fahren. Bereits auf den Fahrten war der Schildvulkan Cotopaxi in weiter Ferne am Horizont zu erblicken. Nachdem wir an der Seilbahnstation angekommen waren, fügten sich der Cayambe, Antisana, Cotopaxi und Corazón mit der schier unendlichen Hauptstadt Quito zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Los ging es also: Ticket gekauft, durch das metallische Irrlabyrinth für derzeitig nicht vorhandene Warteschlangen hindurch standen wir fünf auf den Wartepunkten um die Gondel "11" für die nächsten rund dreißig Minuten zu besetzen. Den übrigen freien Platz belegte ein freundlicher Herr, der unser latentes Halbwissen über die Namen der Vulkane zu enträtseln wusste und uns bei der Zuordnung korrigierte (der Antisana ist eben doch nicht der Chimborazo!). Der Aufstieg mit der Gondel an sich sorgte ansonsten jedoch für Stillschweigen, zu beeindruckend waren die Bilder mit zunehmender Höhe. Dem 14. Stützpfeiler folgte unmittelbar die Bergstation des Teleférico. Dort ausgestiegen ging es unmittelbar zur Aussichtsplattform. Die Ankunftshöhe von etwa 4.050 Metern über NN machte zu unserem Glück keine Probleme, zu sehr schien der mittlerweile dreimonatige Aufenthalt (für mich) auf etwa 2.600 Meter über NN den Höhenunterschied nicht spürbar zu gestalten. Nachdem viele Fotos von diesen bereits überwältigenden Blicken gemacht wurden, ging es um 9:30 Uhr los, stets mit dem Ziel, den bereits sichtbaren und vermeintlich nicht allzu weit entfernten Gipfel des "Rucu Pichincha" zu erklimmen (mein erstes Vorhaben dieser Art). Die Route "1" sollte für die nächsten Stunden uns leiten.


Die Distanz von der derzeitig höchsten Bergstation "Cruz Loma" (für zivile Nutzung) auf einer Höhe von etwa 4.050 Meter bis zum Gipfel auf etwa 4.700 Meter Höhe wird von unterschiedlichen Quellen auf eine Distanz von etwa 15-19 km geschätzt. Bereits die ersten Meter machten mir klar, dass die Luft schon hier deutlich dünner sein würde, als im Ort Cumbayá. Zum Vorteil war es auf Grund des perfekten Wetters nicht allzu kalt. Im Gegenteil: die Sonneneinstrahlung auf dieser Höhe, zumal unmittelbar am Äquator, ist deutlich intensiver, als ich es mir vorstellte. Die ersten Anstiege auf dem trockenen Pfad forderten jegliche vorhandene Muskel meines Körpers immer wieder heraus. Der Puls näherte sich währendessen immer mehr einer Technobeat-Party an. Natürlich hat sich vor vielen tausend Jahren die Natur auch nicht gedacht, dass man vielleicht irgendwann mal einen Pfad hier anlegen würde und so ist der Weg keineswegs einfach nur durch einen gleichmäßigen Anstieg geprägt, sondern vielmehr durch ein parabelförmiges Auf und Ab. Nach der ersten Stunde folgte eine dringend notwendige Pause. Zu sehr hatte ich die Anstrengungen unterschätzt. Wenige Minuten später ging es aber auch schon wieder weiter. Dabei nicht nur über irgendwelche Trampelpfade, sondern auch an Felswänden entlang oder hinauf.

 


















Mit der zunehmenden Höhe und der parallelen Entwicklung der körperlichen Erschöpfung (beides lässt sich nur sehr schwierig in Einklang bringen) fiel dann nach einer weiteren Pause und etwa 2 3/4 Stunde Wanderung der letzte Anstieg zum Gipfel des Rucu Pichincha besonders schwer. Nicht nur der fehlende Sauerstoff, sondern auch die Beschaffenheit des Bodens (Asche) sorgten für unzählige Pause auf den letzten Metern.
Dann, nach nunmehr ca. 3 Stunden war es geschafft, wir waren alle zusammen oben angekommen. Viele Gesichter, die man auf dem Weg dorthin getroffen hatte, verweilten noch immer hier. Die Fortbewegung der Wolken über die Gipfelrücken glich dabei einem Spektakel. Zugleich wurde es infolgedessen deutlich kühler auf einer Höhe von etwa 4.700 Metern. Aber all die Strapazen bis dahin hatten sich gelohnt, denn einen derartigen Ausblick bekommt man in Europa lediglich auf dem Mont Blanc (4.800 Meter über NN), der allerdings auf Grund seiner Schneeschicht deutlich anstrengender zu besteigen sein dürfte. Zudem hatte man, sofern sich die wenigen Wolken verzogen hatten, einen wundervollen Blick auf die umliegenden Vulkane.


Na ja, mit der mangelnden Bewegung dort "oben" wurde es mit der Zeit auch kalt und so ging es nach etwa 30 Minuten auch schon wieder herunter. Hierbei sollte sich die eben erwähnte Asche als doch noch nützlich erweisen. Demnach glichen die ersten Meter talwärts einem Surfritt. Jeder Schritt in der Asche zog sich über mehrere Meter, so dass sich die wasserdichten Wanderstiefel an dieser Stelle auch als staubdicht und somit sinnvoll erweisen sollten.
Da die Kraft und Konzentration auf dem Weg abwärts auch nicht plötzlich mehr geworden ist, im Gegenteil und zugleich dieselben Tücken auf dem Pfad warteten, wie schon wenige Stunden zuvor in umgekehrter Richtung, half nur noch entsprechende Musik, um die Strapaze möglichst schnell hinter sich zu bringen. Die wenigen mehr oder weniger ebenen Wegstrecken waren weniger das Problem, als bergab das ganze Gewicht abzufangen und dabei nicht gleichzeitig auf dem staubigen Untergrund auszurutschen. Dieses Unterfangen wurde von mir ohne Zwischenfälle nach zwei Stunden erfolgreich gemeistert, allerdings auch nicht spurlos. Blasen an den Füßen und Knieschmerzen resultierten ebenso wie Sonnenbrand im Gesicht und Nacken aus dieser Wanderung.
Dennoch bereue ich keineswegs, diese Wanderung auf den Pichincha gemacht zu haben, egal wie anstrengend sie war. Denn dafür wurde ich nicht nur mit einem unvergesslichen Blick belohnt, sondern zugleich auch mit der Erfahrung, wie es einem bzw. mir auf einer Höhe von 4.700 Metern über NN so ergeht. Falls ihr irgendwann / -wo mal die Gelegenheit habt, eine derartige Tour zu unternehmen und ihr euch halbwegs fit fühlt, möchte ich euch einen solchen Ausflug ans Herz legen! Aber denkt daran: wie bei jedem Berg / Vulkan ist es so, dass er entweder euch bezwingt oder ihr ihn!

Cotacachi

Ehe es allerdings am vergangenen Sonntag hinauf auf den Vulkan Pichincha ging, hieß es erst einmal am Samstag ab ins Auto und Richtung Norden. Ca. zwei Stunden von Cumbayá entfernt, wenige Kilometer weiter nördlich gelegen als der Ort Otavalo, wartete der Ort Cotacachi auf unseren Besuch. Der Ort kann seine Analogie bzgl. der Namensgebung gegenüber dem Cotopaxi kaum verbergen und so handelt es sich auch bei diesem Dorf nicht nur um ein ebensolches, sondern eben auch um einen Vulkan. An dessen Basis liegt die für ihre Lederwaren bekannte Ortschaft.


Los ging es mal wieder unmittelbar nach Beendigung des Unterrichts. Zusammen mit Juan und Vicky ging es mit dem Auto gegen Mittag los. Nach der Fahrt war ein leckeres Mittagessen obligatorisch. Also ging es in das nächste Restaurant und dort warteten neben dem Steakteller einmal mehr eine ganze Tafel voll Deutsche. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es nach meinem Empfinden nicht einen Ort hier in Ecuador gibt, der nicht vor uns Deutschen sicher ist und damit meine ich nicht nur meinen Besuch.
Nach der Stärkung ging es dann unmittelbar durch die kleinen Straßen des Dorfes, stets auf der Suche nach dem Lederwarenmarkt. Doch dieser sollte unauffindbar bleiben; stattdessen bot sich uns eine ganze Straße bzw. Fußgängerzone mit unzähligen Lederwarengeschäften an. Neben Jacken, Sombreros, Portmonees, Rücksäcken und Taschen gab es selbstverständlich auch Kuhhäute zu erwerben, gemäß dem Vorbild eines Tigerfells. Unterschiede sind hierbei allerdings nicht zu übersehen: Farbe, Muster, Struktur und sicherlich die Größe differieren deutlich. Einen Tiger mit etwa vier Meter Länge, habe ich zumindest bis heute nicht gesehen respektive von gehört.


Na ja, auf Grund der vielen Läden war unser Fortbewegungstempo auch nicht sonderlich groß. Für eine Strecke von etwa 100 Metern waren so schnell 1 1/2 Stunden vergangen. Immer wieder von zahlreichen tollen Dingen begleitet, die dann vielleicht doch im nächsten Geschäft günstiger sein würden, verzögerte sich der Einkauf, so auch meiner. Denn bei derartigen Preisen konnte / durfte man nicht widerstehen.
Auf dem Rückweg ging es dann im Sonnenuntergang zum "Puertolago". Genauer gesagt zu einem Hotel an dem See. Das unscheinbare, weil nicht ausgeschilderte, wunderschöne, weil an einem See gelegen und Besondere ist, dass es nicht nur an, sondern vielmehr in einem See liegt. Die Glasfront des Restaurants nämlich ragt zu den Füßen in das Wasser hinein, so dass man während des Kaffee trinkens stets Wasser um sich herum hat. Faszinierend!


Nach dem "Wachmacher" ging es dann auch letztendlich zurück nach Cumbayá.